Der Asendorfer Münzfund

Ein Schatz hinter Panzerglas
Er ist wieder da: der über 600 Jahre alte Asendorfer Silberschatz. Einer der größten - gemessen an der Zahl der Einstücke - mittelalterlichen Funde in Norddeutschland kann seit Dezember im Kreismuseum Syke bewundert werden. In den Jahren 1991 und 1992 waren die 6300 Münzen aus der Vitrine verschwunden, um erneut sortiert und bearbeitet zu werden. Jetzt werden sie in neuer Form der Öffentlichkeit präsentiert. Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding: " Wir zeigen den Schatz jetzt nach Prägeorten sortiert. Die wichtigsten Stücke haben wir rausgezogen und davon Großfotografien angefertigt. Der normale Besucher hat einen guten Überblick über den Schatz; der Münzkenner muss sich zwar bücken, kann aber alle Stücke genauestens betrachten. Eigentümer war ursprünglich Landwirt Willy Meyer, denn der hatte den Schatz auf seinem Land gefunden. Beim Pflügen habe er im November 1955 im Ortsteil Niemandsbruch auf seinem Acker ein ungewöhnliches Ding entdeckt, erinnert sich der heute 67 Jahre alte Mann. Beim näheren Betrachten habe es sich als ein Tonkrug entpuppt, den er mit seinem Pflug zerstört hatte. Drinnen habe sich ein ebenfalls beschädigtes Leinentuch befunden, und auf der Ackerfurche habe alles voller kleine runde Plättchen gelegen. Zusammen mit seiner Ehefrau und dem Nachbarn habe er den Fund erst einmal unter die Lupe genommen. " Wir wussten erst nicht, was das ist, denn die Münzen waren als solche gar nicht erkennbar, " erzählt der Landwirt heute.
Die Nachricht von Willy Meyers Silberschatz verbreitete sich schnell. Als überregionale Zeitungen über den sensationellen Fund berichteten, trudelten Briefe über Briefe ein. "Jeder wollte ein Stück vom Schatz abhaben, etwa für die Halskette der Ehefrau oder für die Münzsammlung." Doch alle kamen zu spät. Die Münzen waren längst nicht mehr im Besitz des damals Achtundzwanzigjährigen. Wenige Wochen nach dem Fund hatten seine Eltern während der Abwesenheit des Sohnes den Schatz an den Kreisheimatpfleger und den Bürgermeister übergeben.
Die 6300 Silbermünzen wurden zur wissenschaftlichen Begutachtung ins Westfälische Landesmuseum Münster gebracht. Die Geldstücke wurden gereinigt, und dabei stellte sich heraus, dass es sich um Silbermünzen unterschiedlicher Herkunft aus dem 13. bis 15. Jahrhundert handelt.
Neben deutschen Pfennigen, die den Großteil des Schatzes ausmachten, hatten hansische Witten und französische Großsilbermünzen, sogenannte Tournosen, im Tonkrug gesteckt. Nach der Auswertung kam der Schatz nach Syke ins Museum, so hatte es sich Finder Meyer auch vorgestellt. Wer den Tonkrug mit dem Geld in der Erde vergraben hat und warum, darüber kann Museumsleiter Vogeding nur spekulieren. Er vermutet, dass es sich um einen Adeligen oder einen Kaufmann handelte, denn damals war die Summe ein Vermögen, für das man einen kleinen Bauernhof hätte erwerben können. Die vielen Bremer Münzen ließen eigentlich darauf schließen, meint Vogeding, dass es sich um einen Bremer handelte. Kriegswirren oder Wegelagerer hätten den Besitzer vielleicht veranlasst, die Summe der Erde anzuvertrauen. Aus heutiger Sicht habe der Schatz den Wert eines Einfamilienhauses, "ganz zu schweigen von dem kulturhistorischen Wert. " Dr. Ralf Vogeding versichert, dass der Schatz im Kreismuseum professionell gesichert ist. Finder Willy Meyer ist damals mit 1000 Mark entschädigt worden. "Das Geld haben wir in ein Auto investiert, " sagt er heute. Außerdem durfte er von jeder Münzsorte einige Exemplare als Andenken behalten. Geblieben ist ihm von jeder Sorte nur noch eine Münze, alle anderen hat er im Laufe der Jahre verschenkt.
Nach seinem großen Fund war Meyers Interesse für mittelalterliche Überbleibsel geweckt. Hier und da hat er noch mal alte Scherben oder auch weitere Münzen entdeckt, aber nur in kleinen Mengen. Bis vor einigen Jahren bekam er regelmäßig Besuch von einem Mann aus Minden, der mit einem Metallsuchgerät über Meyers Acker marschiert ist. Wenn er fündig geworden war, warf er den Meyers ein paar Markstücke in den Briefkasten.
Wenn Willy Meyer auch damals zunächst verärgert war, dass man ihm den Schatz einfach aus dem Haus geholt hatte, ist er doch heute froh darüber, dass er so schön und vollständig im Syker Museum präsentiert werden kann.

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