“Chronik unseres Heimatortes” ein Bericht von Fredi Rajes erschienen im Heft 13 “asendorf.info” — hier die ungekürzte Fassung

15. Juni 2008

„Chronik unseres Heimatortes“ so ist der Titel, unter dem in diesem Monat ein über vierhundertseitiges Buch in gebundener Form vom Herausgeber „Schützenverein Brebber“ erscheint. Das Spektrum reicht von der Steinzeit bis ins vorige Jahrhundert. Vorgeschichtliche Funde gewähren Einblick in die Anfänge unseres Siedlungsraumes.
Der Leser kann interessante Details über die Ortsgeschichte von Brebber, Schierenhop und Steimke erfahren. Die Vorarbeiten zu diesem umfangreichen Werk wurden durch die vorgeschichtlichen Aufzeichnungen sowie die bereits vor Jahren von Dietrich Meyer begonnene Höfechronik gelegt. Wer allerdings dabei nur eine Aufzählung der einzelnen Hofstellen des Ortes erwartet wird angenehm überrascht sein. Selbst Kaufverträge von 1848 wie auch ein Ehevertrag von 1872 sowie viele weitere interessante Vorkommnisse sind in dieser Chronik zu finden. Manch ein alter Flurname bekommt für den Leser eine neue Bedeutung. Dem Schulwesen sind ebenfalls rund 100 Seiten gewidmet. Abschriften aus der ehemaligen Schulchronik sowie Abschriften aus alten Schulprotokollen sind hier zu finden.
Während das Thema Nationalsozialismus in Dorfchroniken häufig als Tabuthema behandelt wird, hat es das Redaktionsteam m.E. ausgezeichnet verstanden an dieser Stelle auf ca. dreißig Seiten Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen. Wenn diese Zeit an Hand von Materialien aus staatlichen Archiven aufgearbeitet werden soll, spielt das Archivrecht eine wichtige Rolle. Noch heute sind nicht alle Akten aus der Zeit des Nationalsozialismus in den staatlichen Archiven frei zugänglich, weil das Persönlichkeitsrecht über das Informationsrecht gestellt wird. So gibt es z. B. in Niedersachsen erst seit 1993 ein Archivgesetz. Danach dürfen personenbezogene Daten erst zehn Jahre nach dem Tod der Person, oder, wenn das Datum nicht leicht feststellbar ist, 100 Jahre nach der Geburt zugänglich gemacht werden. Dieser geschichtliche Teil des Ortes wird in der jetzt vorliegenden Chronik unter der Rubrik „Auswanderungen – Gefallene – Historische Bilder – Erinnerungen“ behandelt.
Die letzten Seiten des Buches geben Ausschnitte aus dem Lagerbuch der Bauernschaft Brebber wieder. Interessante Protokolle der Gemeindeversammlungen, ein Schreiben bezüglich der unentgeltlichen Unterbringung eines armen Mädchens zum Zwecke der Niederkunft sowie Stilblüten zum Schmunzeln und alte Rezepturen und alte Hausmittel aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind zu finden.
Das Redaktionsteam zum dem Dietrich Meyer, Dieter Thies, Lutz Meyer, Dietrich Fiddelke und als Layoutfachmann Bernd Holthus gehören, hat im Vorwort bereits dargelegt, dass schon bei der Planung der „Chronik des Schützenvereins Brebber” klar wurde , dass die Fülle der Themen die Herausgabe einer “Ortschronik” der ehemaligen Gemeinde Brebber erforderlich machen würde. Diese Chronik erscheint nunmehr nach fast zehnjähriger Sammlung und Sichtung eines in Archiven nicht unbeträchtlich vorgefundenen Aktenmaterials, sowie zeitweiliger Überlassung von Aufzeichnungen, Familienakten, Urkunden und Fotos.
„Mit diesem Buch möchten wir unseren Lebensraum darstellen, das Wirken und Werken unserer Vorfahren schildern und die gute” alte Zeit in Erinnerung halten.
Die geschichtsträchtigen Streifzüge sollen bleibende Eindrücke vermitteln, Kenntnisse auffrischen und vor allem, Vergnügen bereiten. Wenn wir ab und zu dabei feststellen, dass uns die Beschäftigung mit der Vergangenheit, die eigene Gegenwart ein wenig näher bringt, dann hat dieses Werk gewiss seinen Sinn erfüllt“ - so die Aussagen des Redaktionsteams.
Dorfchroniken wie auch diese Chronik für Brebber, Schierenhop und Steimke bzw. genauer gesagt der Entstehungsprozess solcher Aufzeichnungen stellt nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung dar, sondern ohne den Anspruch zu erheben, wissenschaftliche Werke
zu sein, sind sie doch für Gegenwart und Zukunft eine ganz wesentliche Quelle für die
Historie des Ortes. Aber auch für andere interessierte Leser haben diese Arbeiten großen Wert und sie sind oft eine wahre Fundgrube, wenn man sich mit Spezialfragen, etwa dem
Feuerwehrwesen, der früheren Landwirtschaft oder ähnlichem befassen will.
Natürlich gab es auch damals und gibt es sicherlich heute einige Bürger, die die Bedeutung solcher Nachschlagewerke für eine lebendige Dorfgemeinschaft nicht erkennen. Aber
wer einmal selbst erlebt hat mit welchem Enthusiasmus und großem persönlichen Einsatz Mitmenschen in unserer Gemeinde für die Entstehung von Dorfchroniken arbeiten - oder wer sogar selbst vom „Spurensuchvirus“ infiziert wurde - wird den Wert dieser Beschäftigung für die Dorfgemeinschaft erkennen. Ich kann nur diese Empfehlung aussprechen: Sichern sie sich sofort nach dem Erscheinen des Buches ihr Exemplar!

Alte Gaststätten - Strümplers Gasthaus ein Bericht von Fredi Rajes

12. März 2008

„Strümplers Gasthaus“ - So stand der Schriftzug auf einer Wandplatte über dem Eingang des Hauses. Die Rede ist hier vom Haus- Nr. 10 in Essen, Ortsteil Lichtenberg. Die heutige Anschrift  dieses Hauses ist Asendorf, Hoyaer Str. 8 – und wer zu dieser Anschrift fährt, erreicht heute dort die Familie Holste. „Strümplers Gasthaus“ stand in der Zeit vor Holstes für eine von mehreren  Gastwirtschaften im damaligen Ort Essen-Steinborn. 1925 hatte der Ort Essen 150 Einwohner; im Jahre 1939 waren es 166 gemeldete Einwohner.

Im Vergleichsjahr 1925 wurden in Asendorf  758 Einwohner gezählt und 1939 waren es 1.170 Einwohner. Interessant ist noch, dass im Jahre 1885 ganze 444 Einwohner in Asendorf  registriert waren. Hermann und Sophie Strümpler geb. Nordhausen sind sicherlich noch einigen Einwohnern Asendorfs bekannt; führten sie doch diese Gastwirtschaft von 1927 bis zum Jahre 1964.

Das Ehepaar Strümpler feierte am 31. Juli 1958  im Alter von 72 bzw. 68 Jahren die Goldene Hochzeit.  Bevor sie die Gastwirtschaft einschließlich der dazugehörenden Landwirtschaft auf dem Lichtenberg übernommen hatten, war Hermann Strümpler in der Boymannschen Ziegelei in Bruchmühlen  und danach als Verwalter für die Ländereien des damaligen Landrates des Kreises Hoya beschäftigt. Aus einem alten Bericht der Kreiszeitung vom Juli 1958 anlässlich der Goldenen Hochzeit des Paares ist überliefert, dass die Eheleute freundlich und humorvoll waren und dadurch auch sehr gute Wirtsleute abgaben.  Im Jahre 1981 starb Hermann Strümpler im gesegneten Alter von 95 Jahren in Homfeld-Heiligenberg, seine Ehefrau war bereits ein paar Jahre zuvor verstorben.

Schon vor der Generation Strümpler war in den Räumlichkeiten dieses Hauses eine Wirtsstube. Auf einer alten Karte prangt der Schriftzug „Gruß vom Lichtenberg – Gasthaus zur Linde – Fridrich Ahlers“. Das Bild mit den stattlichen Reitern vor der Gastwirtschaft wurde vermutlich um 1920 aufgenommen. In den Unterlagen des Archivs ist ausdrücklich vermerkt, dass auch die Wirtin Marie Ahlers auf diesem Bild abgelichtet ist.  Die im rechten Teil des Bildes vorhandene, kunstvoll geschnittene Buche war lange Jahre – vermutlich bis in die 70-iger Jahre – der Blickfang vor dem Haus. Im Sommer spendeten der Baum und die zusätzlich vorhandenen Büsche angenehmen Schatten.

Aber bereits vor der Generation Ahlers existierte dieses Haus. Der Name Focke ist überliefert.

Als Eigentümer des Hauses tauchen in der zeitlichen Reihenfolge die Namen Focke,  Ahlers, Fridrich Meyer, dann durch Erbfolge Alma Steffen, geb. Meyer, Erdwig und Henni Holste und bis zum heutigen Tage Christa Holste auf.

Bei meinen Recherchen habe ich die Frage gestellt: Was lief denn in der Gastwirtschaft so ab? Welches Publikum verkehrte dort und welche Feste wurden gefeiert?

Auf all diese und andere Fragen erhielt ich Auskunft von Christa Holste als heutige Eigentümerin  sowie von Reinhard Schröder aus Engeln-Scholen und sehr ausführlich von Hans Eggers aus Asendorf – beide Enkel des Gastwirts-Ehepaares Strümpler.

Die Antwort auf die erste Frage machte mich stutzig: Es wurde dort viel „Tee“ getrunken – Gegenfrage: viel „Tee“? – Antwort: Ja viel „Schlich-tee“ – nicht gekühlt aus der Truhe – nein Zimmertemperatur vom „Tee-Bord“. Dabei passierte es schon mal, dass eine Tour nach Asendorf zum Kohle holen  einen ganzen Tag dauerte. Dadurch beantwortete sich auch bereits die zweite Frage. Das Publikum kannte man und man kannte sich - alle kamen aus dem Ort. Die Landstraße von Asendorf nach Hoya, die im Jahre 1884 mit finanzieller Beteiligung der Gemeinde Essen in Höhe von 1000,– Mark ausgebaut wurde, hatte sicherlich keinen großen Einfluss darauf, dass zusätzliches Publikum die Wirtschaft aufsuchte.

So und welche Feste wurden gefeiert? Derzeit belegen kann ich nur die Schützen- und Erntefeste, die zeitweise im Wechsel mit dem Gasthaus Ramke in Steinborn auf dem Zelt gefeiert wurden.  Das Zelt stand regelmäßig  vor dem Giebel des Gasthauses Strümpler. Als Musiker war die Kapelle Nordhausen aktiv. Für die Kapelle war es sozusagen ein „Heimspiel“; war doch die Gastwirtsfrau eine geborene Nordhausen. Gäste, die diesen Festen beigewohnt haben, berichten noch heute, dass es die schönsten Schützenfeste waren. Es war immer „gewaltig was los“. Im Jahre 1964 kauften die Eltern der heutigen Eigentümerin das Anwesen von Alma Steffen, geb. Meyer und richteten bis 1974 noch diese Schützen- und Erntefeste aus.  Bis dahin kam auch noch der alte Schießstand hinter dem Haus zum Einsatz. Heutigen Anforderungen könnte er nicht mehr genügen und ist auch nicht mehr vorhanden.

 

Die Bilder wurden zur Verfügung gestellt von Christa Holste, Reinhard Schröder und Hans Eggers.