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Warten auf den Zug

Mittwoch, 13. Dezember 2006

Es sieht wie ein Schildbürgerstreich aus. Mitten in Asendorf wurde ein neuer Bahnsteig errichtet – von Bahngleisen ist aber nichts zu sehen. Der erste Eindruck täuscht jedoch. Hier wurde keine Investitionsruine errichtet, kein Geld verschwendet. Der Bahnsteig ist Teil eines umfangreichen Modernisierungs- und Umbauprogramms für den Bahnhof Asendorf, das der Deutsche Eisenbahnverein (DEV) in den kommenden Jahren umsetzen will.
Die Pläne hierzu sind nicht neu. Bereits im Jahre 2001 wurde ein erstes Planfeststellungsverfahren abgeschlossen. Hintergrund der Planungen war und ist, dass die Nutzlänge des bisherigen Bahnsteiggleises für längere Züge des DEV nicht mehr ausreicht. Außerdem ist ein Teil der im Bahnhofsbereich verlegten Gleise in einem baulich sehr schlechten Zustand. In einem ersten Bauabschnitt sollte deshalb die Bahnsteiglänge vergrößert werden und der Gleiskörper nach Süden hin (Richtung Ortsmitte) verlängert werden.
Die Pläne aus dem Jahr 2001 beruhten noch auf den alten baulichen Gegebenheiten auf dem Grundstück der Bahnhofsgaststätte. Insbesondere der lange Bau der Kegelbahn erschwerte die Planungen. Nach dem Abbruch der alten Gebäude und dem Erwerb des Grundstücks durch die Gemeinde Asendorf wurden die Pläne den neuen Gegebenheiten angepasst. Jetzt stand mehr Fläche zur Verfügung um die Gleisführung den historischen Vorgaben wieder anzugleichen. So ist auf alten Bildern zu erkennen, dass es früher zwei Gleise zwischen den Bahnhofsgebäuden und der Bundesstraße gab. Dieser Zustand soll wieder hergestellt werden. Eines der Gleise soll am neuen Bahnhofsplatz vorbei bis zur Bahnhofstraße führen. Und damit macht der eingangs erwähnte neue Bahnsteig auch Sinn. Angedacht ist, dass später Züge und Schienenbusse wieder direkt vor dem Bistro Gleis 1 halten können.
Die beiden Bahnhofsbereiche auf dem jetzigen Bahnhof und beim Bahnsteig werden getrennt durch die Zuwegung zur Straße Hinterm Bahnhof. Diese Zuwegung soll auch erhalten bleiben. Um diese Trennung in das museale Bahnleben einzubeziehen, könnte dort vielleicht eine alte, noch handbetriebene Schranke installiert werden.
Die veränderte Gleisführung macht es erforderlich, die gesamte Anordnung auf dem Bahnhof zu überdenken. Daraus ergeben sich interessante Möglichkeiten, den Bahnhof optisch aufzuwerten und für Besucher und Asendorfer Bürger attraktiver zu machen. Ziel der Neuordnung muss es sein, den Bahnhof Asendorf als zweiten Eingang zum Kleinbahnmuseum aufzuwerten. Viele Gäste der Museumseisenbahn beginnen ihre Fahrt nur deshalb in Bruchhausen-Vilsen, weil sie gar nicht auf die Idee kommen, auch in Asendorf einsteigen zu können. Hier muss der “Eingang“ deutlicher hervorgehoben werden. Über Fahrpreise und Fahrtzeiten muss besser informiert werden. Jeder Autofahrer, egal ob er aus Richtung Syke oder aus Richtung Nienburg kommt, muss erkennen können, dass er gerade am einem begehbaren Museum vorbeifährt.
Daneben soll der Bahnhof stärker in das Leben des Kleinbahnmuseums einbezogen werden, also nicht nur begehbar sein, sondern auch erlebbar. Hier bietet sich das neben dem alten Lokschuppen geplante Lade- bzw. Ausstellungsleis an. An dieser Stelle können später museale Aktionen stattfinden, ohne den laufenden Bahnbetrieb zu stören oder gar zu behindern. Der Bahnhof Asendorf war früher durch den landwirtschaftlichen Gütertransport bestimmt. Gemeinsame Aktionen des DEV zusammen mit der Alteisengruppe des Heimatvereins bieten sich geradezu an. Ein erweiterter historischer Erntetag könnte dann nicht nur die Feldarbeit zeigen, sondern auch wie früher die landwirtschaftlichen Erzeugnisse per Kleinbahn abtransportiert wurden. Für das geplante Ausstellungsgleis muss aus baurechtlichen Gründen das im Jahre 1976 errichtete jetzige Stationsgebäude weichen. Es ist eine Verlagerung des “Bahnhofsbüros“ und der Toiletten in das Gebäude des Bistros angedacht. Hier wurde deshalb bereits in der Planungsphase ein Raum für Zwecke des DEV reserviert. Aus einer Einbindung des DEV-Büros mit Fahrkartenverkauf und kleinem Shop in das Bistroleben könnten beide Partner Vorteile ziehen.
Asendorf besteht jedoch nicht nur aus dem Bahnhof. Wir haben den Fahrgästen der Museumseisenbahn viel mehr zu bieten. Einige Angebote, wie z.B. das Automuseum sind bequem zu Fuß zu erreichen. Die Arbeitsgruppe Zukunftsvision hat darüber hinaus einige interessante Rundwanderungen erarbeitet und in einem Faltblatt mit den Titel “Zwischen zwei Zügen in Asendorf“ zusammengetragen. Dieses Faltblatt wird bereits heute in den Zügen des DEV ausgelegt.
Viele lohnende Ziele liegen jedoch außerhalb des Ortskerns und sind damit zu Fuß unerreichbar. Grund genug, über die Einrichtung eines Fahradverleihs am Bahnhof nachzudenken. Hierfür eignet sich die alte Garage auf dem Bahnhofsplatz, die von der Landjugend bereits nutzbar gemacht wurde, hervorragend. Für die meistens ortsunkundigen Besucher müssen nur noch Rundfahrten mit lohnenden Zielen ausgearbeitet werden. Im Rahmen der Beratungen zum Dorferneuerungsplan wurden hier bereits erste Ansätze gefunden, die aufgegriffen und weitergeführt werden können.
Viele der genannten Ideen sind vielleicht Zukunftsmusik – aber mit dem Umbau soll nach unbestätigten Informationen bereits im Herbst nächsten Jahres gestartet werden.

Was halten Sie von den Plänen zur Umgestaltung des Bahnhofsbereiches ?