Archiv für März 2005

Zaun aller Zäune?

Mittwoch, 16. März 2005

Wenn Besucher kommen, die uns in Asendorf-Hohenmoor zum ersten Male besuchen, besteht das Problem darin, den Leuten erklären zu müssen, dass wir uns Hühner zulegen wollen und nicht etwa Hirsche oder Wildschweine. Zugegeben, er ist etwas wuchtig geraten, der Zaun, aber als solcher ist er – zumindest in Deutschland – einzig unter den Sternen.

Wir haben uns mit diesem „Gärdesgård“-Zaun ein Stück Schweden in den Garten gestellt, und das war gar nicht so einfach! Zwei Tage lang haben meine Frau und ich 72 beindicke Fichten gefällt und an den Waldrand geschleppt. Der Revierförster Eberhard Guba aus Harpstedt, übrigens ein Benjeshecken-Pionier der ersten Stunde, lieferte uns dazu 50 frische Eichenpfähle, die an ihrem unteren Ende von meiner Frau zunächst mit Silofarbe gegen Rotteschäden geschützt werden mussten. Anschließend habe ich diese schweren Biester in den Boden gerammt. Eine Knochenarbeit, die mein angeschlagener Rücken gar nicht zugelassen hätte, wäre da nicht ein Lochspaten gewesen, den uns ein netter Nachbar leihweise zur Verfügung gestellt hatte. Hier zeigte sich einmal mehr, dass Goethe wusste, wovon er sprach: „Ein Mann, der recht zu werken denkt, muss auf das beste Werkzeug achten.“ Ja und dann konnte es richtig losgehen! Von zwei schwedischen Fachbüchern bestens präpariert, war zunächst die Frage zu klären, wie der totale Verzicht auf Nägel, Schrauben und Draht zu bewerkstelligen sei, denn Fichtenreiser der Länge nach spalten und in einem großen Bottich weichkochen, das wollten wir uns bei aller Liebe zur schwedischen Tradition dann doch nicht antun.
Also hin zum Raiffeisen-Markt in Bruchhausen-Vilsen und nicht ganz stilecht drei 50m-Rollen Sisalstrick gekauft. Ganz schön teuer der Spaß, aber eine bildschöne und akzeptable Alternative zu den kunstvoll verschlungenen Fichtenzweigen.
Da sich ein angelesenes Buchwissen nicht so ohne weiteres auf praktisches Handeln übertragen lässt, haben wir es langsam und vorsichtig angehen lassen: Messen, probieren, ändern, Stangen wieder auswechseln, abstützen, verkeilen usw. Die Seilrollen wurden stundenlang in Wasser getaucht, in passende Längen geschnitten und in Form einer liegenden 8 um die Pfahlpaare gezurrt und per Seemannsknoten fixiert. Nach dem Abtrocknen sitzt dann alles unglaublich stramm, und der Zaun „steht wie eine Bombe“!
Wir haben den Hühnern, die also noch gar nicht da sind, ca. 15% unseres Gartens reserviert = 423 Quadratmeter um genau zu sein. Bei vier Hennen und einem Hahn macht das ca. 85 Quadratmeter pro Stück Federvieh. Als Schattenspender bieten wir den Hühnern vier große Apfelbäume, einen Zwetschenbaum und eine ca. 20 m hohe Blaufichte (siehe Foto), deren Zweige bis auf den Boden reichen und somit Schutz vor dem Habicht bieten – hoffe ich. Ergänzt wird der Hühnerhof durch eine ca. ein Meter hohe, zwei Meter breite und 12 Meter lange Benjeshecke, die sich bereits im Krauthecken-Stadium befindet, also voller Insekten und Mäuse ist und mit einem halben Zentner unerreichbarer Falläpfel in den zweiten Winter geht. Doch damit nicht genug: Den schwindelfreien Hühnern wird als „Balancierstange“ eine mächtige Baumruine geboten, die nach dem Absägen einfach liegen blieb, teils um sich unnötige Arbeit zu ersparen, teils um den Hühnern nach der Eiablage eine malerische Sonnenbank zum Dösen und Trödeln zu bieten. Wir sind jetzt natürlich gespannt, ob der Hahn auch tatsächlich die höchste Position auf dieser Baumruine einnehmen wird, so wie es im Drehbuch meiner Hühnerparadies-Gestaltung ausdrücklich vorgesehen ist.

Hermann Benjes