Archiv für September 2006

Historische Gebäude in Asendorf

Sonntag, 10. September 2006

– Ein Bericht von Fredi Rajes –
Historische Gebäude in Asendorf
Unsere heutige Betrachtung gilt dem im Jahre 1900 erbauten Raiffeisengebäude an der B6 – einem Gebäude welches im Jahre 1993 durch das Institut für Denkmalspflege in das Verzeichnis für Kulturdenkmale aufgenommen wurde. Diesem Lagerhaus wird vom Landesverwaltungsamt in Hannover bescheinigt, dass es ein Einzelbaudenkmal ist, an dessen Erhaltung wegen der geschichtlichen und der städtebaulichen Bedeutung ein öffentliches Interesse besteht.
Lassen Sie sich in die Zeit um 1886 zurückversetzen. Der heute noch existente Landwirtschaftliche Verein besteht zu der Zeit bereits seit 28 Jahren. Sicherlich kein Grund zu feiern – aber trotzdem ist es erwähnenswert, weil dieser landwirtschaftliche Verein auf der Generalversammlung am 4. Dezember 1886 die Gründung des „Consum Vereins des Landwirtschaftlichen Vereins zu Asendorf“ beschließt. Ein Jahr später hat dieser „Consum Verein“ bereits 156 Mitglieder. Unter dem Geschäftsführer Friedrich Dierks aus Kampsheide, der von 1893 bis 1923 die Geschicke des Consumvereins leitet, wird auf der Mitgliedersammlung im Jahre 1899 der Bau dieses Lagergebäudes beschlossen. Der Verein ist zu der Zeit bereits in „Landwirtschaftlicher Consumverein Asendorf e.G.m.u.H.“ umbenannt. Bereits ein Jahr später wird das heute unter Denkmalschutz stehende große Lagerhaus mit einem Anschlussgleis an die Kleinbahn Hoya-Syke-Asendorf erbaut. Die Gesamtkosten dieses Neubaus wurden in den Planungsunterlagen mit 10.000,– bis 12.000,– Mark veranschlagt. Das Lagergebäude diente hauptsächlich dem Umschlag von Kohle und Dünger sowie Futtermitteln und Saatgut. Die Kohle sowie auch der Dünger wurden lose per Eisenbahnwaggon angeliefert und im Keller des Lagergebäudes eingelagert. Der Weiterverkauf des Düngers und der Kohle erfolgte in Zentnersäcken – also musste alles eingesackt werden. Diese Arbeiten wurden von den Lagerarbeitern im Keller erledigt. Die Säcke wurden anschließend nach oben gezogen und in der ersten bzw. der zweiten Ebene bis zum Weiterverkauf und zur Auslieferung an den Kunden gelagert.
Mit dem Ziel, den Landwirten im Kirchspiel Asendorf und auch darüber hinaus unterstützend zur Seite zu stehen, wird 1914 im Lagergebäude eine Saatgutreinigungsanlage und eine Abbeizanlage eingebaut. Zur Vereinfachung und zur Erleichterung für die Arbeiter auf dem Lagerschuppen wird im dem Jahr auch noch ein Sackaufzug mit Motor installiert. Ohne großen Kraftaufwand können jetzt die schweren Dünger-, Korn- und Futtermittelsäcke von der Laderampe in den ersten oder auch zweiten Stock des Gebäudes befördert werden. 1928 erhält das Lagergebäude auch noch zwei Walzenschrotgänge. Somit kann das Korn für die heimischen Landwirte direkt vor Ort gemahlen werden. 8 Jahre später im Jahre 1936 erwirbt der dann unter „Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft eGmbH“ firmierende Consumverein das neben dem Lagergebäude befindliche ehemalige Molkereigebäude und errichtet darin u.a. eine stationäre Kartoffel-Großdämpfanlage. Zum späteren Zeitpunkt –genauer gesagt in den Jahren 1960 bis 1961 werden hier im ehemaligen Molkereigebäude die Büroräume der Genossenschaft eingerichtet. Bis dahin waren drei Büroräume im ersten Stock des großen Lagergebäudes untergebracht. Dort konnten sie jedoch den neuen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Durch Zeitzeugen ist überliefert, dass in den 50-ziger Jahren insgesamt 18 – 19 Mitarbeiter bei der „Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft eGmbH“ beschäftigt waren. 6- 7 Büroangestellte erledigten die kaufmännischen Angelegenheiten und weitere 12 Mitarbeiter waren im Lager sowie als Auslieferungsfahrer beschäftigt. In den Spitzenzeiten, dass war im Frühjahr eines jeden Jahres, war der Andrang der Kunden die Abfertigung warteten so groß, dass sich die Pferdefuhrwerke aus Richtung Brebber vom Ortseingang Asendorf bis zur Genossenschaft und aus der Gegenrichtung von der Gaststätte Hoopmann bis zur Genossenschaft stauten.
Interessant ist, dass mit der Umfirmierung im Jahre 1936 die Bezeichnung „Consum“ im Firmennamen der Genossenschaft zwar verschwunden ist, in der landläufigen Bezeichnung die Genossenschaft aber selbst heute noch die Bezeichnung „Konsum“ hat. Die Redewendungen „ich fahre eben zum Konsum“ oder „der Konsum hat ….“ sind in der Bevölkerung immer noch fest verankert. Selbst die nächste Umfirmierung 1975 in „Raiffeisen- Warengenossenschaft Asendorf e.G.“ konnte die Bezeichnung „Konsum“ nicht tilgen. Eine große Veränderung bedeutete das Jahr 1958. In diesem Jahr wurde der Ausbau der B 6 vollzogen. Die Verbreiterung und Erneuerung gab der Straße ein vollkommen verändertes Aussehen. Der Schienenstrang vom Bahnhof bis zum Lagergebäude der Genossenschaft wurde abgebaut. Dies geschah sicherlich zur Freude der unzähligen Motorradfahrer, die im Laufe der Jahre in diesem Abschnitt nachweislich „Erdberührung“ hatten – aber zum Nachteil der Genossenschaft, die ab jetzt alle per Eisenbahnwaggon ankommenden Waren vom Bahnhof abholen muss. (Ein Bild über die Zuckerrübenverladung am Bahnhof hatten wir bereits in der 4. Ausgabe unseres Infoblattes im Rahmen des Berichtes über die Umgestaltung des Bahnhofes gezeigt.) Später, als auch der Bahnhof Asendorf aus Kostengründen nicht mehr bedient wird, mussten alle per Waggon ankommenden Waren sogar aus Bruchhausen-Vilsen abgeholt werden.
Seit mehreren Jahren wird das Lagergebäude bereits nicht mehr von der Genossenschaft genutzt. Ausstellungen oder auch Vorführungen konnten das Gebäude für kurze Zeit immer wieder ins Rampenlicht setzen. Zeitweise wurden Gespräche mit dem Heimatverein Asendorf e.V. geführt, der eine Nutzung als Heimatstube und Museum ins Auge gefasst hatte – leider ohne erfolgreichen Abschluss. Erst im Jahre 2006 konnten die Weichen für eine neue Nutzung gestellt werden. Das Lagergebäude wurde an die Firma Hasselhop & Tienken verkauft, die es wieder als Lager nutzen wird und damit das alt ehrwürdige Gebäude wieder ins rechte Licht setzen möchte.

Nachtrag zum RWG-Gebäude

Es ist heute kaum mehr vorstellbar, aber zu der Zeit vor 1900 war es die Realität: Die bereits in den Jahren 1822 bis 1823 erbaute Verbindungsstraße von Hannover nach Bremen – unsere heutige B 6 – hatte damals den Charakter einer alten Dorfstraße. Von dem vor Jahren verstorbenen Bürgermeister zu Kammer wurde erzählt, dass während seiner Schulzeit, die im ersten Jahrzehnt nach 1900 lag, auf der heutigen B 6 im Rahmen des Turnunterrichtes noch Schlagball gespielt wurde. Diese Schilderungen werden nachvollziehbar, wenn man das Bild mit dem Lagergebäude und der daneben erbauten Molkerei anschaut. Dieses Bild strahlt die Ruhe und die Beschaulichkeit einer vergangenen Zeit aus. Zu der Zeit war auch nicht davon auszugehen, dass täglich mehrere Dampfzüge in Richtung Consumverein rollten, deshalb konnte die Straße auch gefahrlos in die Turnstunde mit einbezogen werden. Der Schienenstrang verlief aus Richtung Heiligenberg kommend –wie auch heute noch- linksseitig neben der Straße. Erst in der Kurve vor dem Gasthaus Uhlhorn wurde die Straße gekreuzt, um dann rechtsseitig der Straße bis zum Lagergebäude des Consumvereins zu verlaufen. Große Bäume säumten die Straße und trennten den Fahrweg von einem gut beschatteten Fuß- und Wanderweg. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch eine Überlieferung weitergeben, die sich auf die beiden Kurven der heutigen B 6 im dem Bereich bezieht: Es ist überliefert, dass die Straße zum Zeitpunkt der Erbauung eigentlich ohne Kurven durch den Ort geführt werden sollte, sie wäre dann über Mehlhops Feld verlaufen. Aber auf Wunsch des damaligen Gasthausbetreibers sei der Bogen entstanden. So führt die B 6 heute noch direkt am Gasthaus Uhlhorn vorbei.