Archiv für Dezember 2006

Die alte Asendorfer Schule

Samstag, 9. Dezember 2006

Die Schule Asendorf im Wandel der Zeiten

Teile dieses Artikels wurden entnommen aus:
Erlesenes und Erlebtes aufgeschrieben von Walter Drescher und erstmals veröffentlicht in der
Chronik zur 900 Jahr-Feier der Gemeinde Asendorf.
insgesamt überarbeitet von Fredi Rajes

Die Schulchronik beginnt im Jahre 1878. Sie ist von dem damaligen 1. Lehrer, Küster und Organisten Ernst-Heinrich Burhop angelegt und von ihm bis zu seinem Tode im Jahre 1905 geführt worden. Lehrer Burhop wirkte 37 Jahre, von 1868- 1905, als Lehrer und Schulleiter in Asendorf. Sein Nachfolger, Hauptlehrer Ehlers setzte die Chronik fort.

Schulverhältnisse bis zum Jahre 1887:

Die Zeit der Schulgründung läßt sich nicht mit Bestimmtheit angeben. Aus einer vorgefundenen Akte geht hervor, dass im Jahre 1657 der Superintendent in Nienburg den Asendorfer Küster veranlasste, die größeren Knaben aus dem Kirchspiel zu unterrichten. Von da an ist hier eine Schule vorhanden. Einige Jahre später sind in den übrigen Dörfern des Kirchspiels Handwerker als „Schulmeister“ bestellt worden.

Zu Beginn der Schulchronik gehören die Gemeinden Asendorf und Kampsheide zum Schulbezirk Asendorf. Das 1. Schulgebäude wurde im Jahre 1789 erbaut und bestand aus Fachwerk und Steinwänden. Bis zum Jahre 1866 gab es eine Schule mit einem Lehrer am Ort. Als die Schülerzahl auf über 120 anstieg, wurde im Frühjahr 1866 ein zweites Schulhaus im Küstergarten von der Schulgemeinde mit einem Kostenaufwand von 1.100 Talern = 3.300 Mark erbaut. Das neue Schulhaus enthielt ein Schulzimmer und als Wohnung ein Wohnzimmer und einen Schlafraum.
Die Heizung der Schulzimmer besorgten die Eltern der Schulkinder. Jedes Kind heizte einen Tag ein. Das Gehalt des Lehrers betrug zu jener Zeit 140 Taler = 420,–Mark jährlich. Das Schulgeld für jedes Kind betrug 3,– Mark jährlich, wovon der erste Lehrer 1,68 Mark erhielt. Den übrigen Betrag bekam der zweite Lehrer. Die Schulleiterstelle war mit den kirchlichen Ämtern des Küsters und Organisten verbunden. Die Schule musste von allen Kindern
regelmäßig besucht werden und zwar wöchentlich 30 Stunden. In der zweiten Klasse im zweiten Schulgebäude blieben die Kinder durchschnittlich vom 6. bis zum 10. Lebensjahr. In der ersten Klasse im ersten Schulgebäude wurden sie vom 10. bis zum 14. Lebensjahr unterrichtet. Danach wurden sie konfirmiert.

Der Schulvorstand bestand aus dem Pastor, dem 1. Lehrer und je einem Schulvorsteher aus Asendorf und Kampsheide. Von den beiden weltlichen Schulvorstehern übernahm einer das Rechnungswesen für die beiden Schulen. Im Jahre 1881 wurde die Strohbedachung der Schulgebäude durch Ziegelbedachung ersetzt. Ab Herbst 1882 wurden zwei Stunden Handarbeitsunterricht eingeführt. Am 7.1.1884 wurde die bisher aus zwei Klassen bestehende Schule in eine 3-klassige umgewandelt.
Beim Lesen der Chronik fällt auf, dass in jenen Jahren besonders viele religiöse, monarchistische und nationalistische Feierstunden abgehalten wurden.
Hierzu einige Beispiele:
So wurde am 10.11.1883 auf
„Anordnung Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm I.“
der 400-jährige Geburtstag Dr. Martin Luthers in allen Schulen – auch in Asendorf – festlich begangen.
Im Anschluss an die Feier wurde eine Eiche gepflanzt, die heute noch neben der Kreissparkasse steht, die Martin-Luther-Eiche. Seitdem wurde in allen Schulen des Kirchspiels bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts am 31. Oktober das Reformationsfest gefeiert.
Ein weiterer ständiger Feiertag jener Zeit war bis 1918 der Geburtstag des Kaisers und Königs. Die Schulfeier wurde mit einem Gesang und einem Gebet eröffnet. Danach würdigte der Schulleiter in einer Festrede das Leben des Monarchen. Er schilderte ausführlich dessen Jugendjahre, seine schulische Entwicklung, auch die Konfirmation des Kaisers. Die Wahrnehmung erster Pflichten als Prinz von Preußen gehörte ebenso mit zum Inhalt der Festrede, wie die Schilderung der Auseinandersetzung mit Dänemark 1864, Österreich 1866 und Frankreich 1870/71. Die Ermahnung aller Teilnehmer zur Treue gegenüber Kaiser und Vaterland bildete den Abschluss der Feierstunde. Die damalige Hymne „Heil Dir im Siegerkranz“ wurde zum Schluss von allen gesungen.

Ebenso regelmäßig waren vor über einhundert Jahren die jährlichen Unterrichtsprüfungen durch den Asendorfer Pastor und die beiden jeweils amtierenden Schulvorsteher. Der betreffende Lehrer hatte in diesem Falle mit seiner Klasse mehrere Unterrichtsstunden vorzuführen.
Sie liefen meistens nach folgendem Schema ab:
1. Gesang, Gebet und Aufsagen des 2. Hauptstückes
2. Bibelkunde
3. Bibl. Geschichte
4. Aus dem Katechismus – Das Gesetz
5. Gebete, Gesänge, Psalmen
6. Bibel-Lesen
7. Rechnen und Raumlehre
8. Heimatkunde, Heimatprovinz u. Globus 9. 2 Choräle, Schlussgebete

Auf Anregung des landwirtschaftlichen Vereins Asendorf wurde im Winter 1897/98 eine ländliche Fortbildungsschule errichtet, die von den Konfirmierten in den Wintermonaten besucht wurde. Abends wurden damals wöchentlich 6 Stunden Unterricht erteilt.

Im Jahre 1899 wurde mit dem Bau eines neuen großen Schulgebäudes unmittelbar an der großen Heerstraße begonnen. Im Herbst, am 23.10.1899, fand die feierliche Einweihung des Gebäudes statt. Dabei wurden die besonderen Verdienste am Zustandekommen des Neubaus durch Pastor Tiemann, die Schulvorsteher Campsheide und Grundmann und Lehrer Burhop zum Ausdruck gebracht.

Das 1789 erbaute und bis dahin als Schule dienende alte Küsterhaus wurde noch im gleichen Jahr auf Abbruch verkauft und lt. eines Zeitungsberichtes im Ortsteil Brebber-Heide wieder aufgebaut. Das neue, an der Durchgangsstraße gelegene Schulgebäude umfasste vier Klassenräume, ein Lehrmittelzimmer, eine Küster- und zwei Lehrerwohnungen mit Garten. 1900 wurde zusätzlich das Stallgebäude mit Toiletten gebaut.
Die vor 91 Jahren entstandenen Baukosten muten uns heute gering an.

Sie betrugen damals im einzelnen:
Baukosten für Schule und Stall 40.613,94 Mark
Innere Einrichtung 1.186,80″
Bauleitungs-Kosten 2.202,59″
Gesamtsumme 44.003,33 Mark

Folgende Schulleiter waren in Asendorf tätig:

Burhop 1870 – 1904
Ehlers 1905 – 1923
Weiberg 1923 – 1927
Bormann 1928 – 1931
Schreeck 1931 – 1937
Rabe 1937 – 1945
Nier 1946 – 1949
Hoffmann 1949 – 1953
Rabe 1959 – 1966
Hulke 1966 – 1977
Drescher 1977 – 1990
Oley 1991 –

Hervorzuheben ist in den folgenden Jahren – nach Ende des 1.Weltkrieges – der Wegfall der kirchlichen Schulaufsicht im Jahre 1918 und die Einführung der staatlichen Fachaufsicht. 1922 wurde das hinter dem Beermannschen Hause gelegene Kirchenland von der Schulgemeinde als Spiel- und Pausenfeld gepachtet. Im Jahre 1925 wurde das Schwimmbad im Rottmannsbusch von dem damaligen Turnverein „Gut Heil“ unter seinem Vorsitzenden Schulleiter Weiberg errichtet. Es erhielt im Jahre 1927 eine bedeutende Verbesserung durch eine Anlage zum Vorwärmen des Wassers. Das Vorwärmbecken diente dem Besitzer Rottmann gleichzeitig als Fischteich. Im Winter wurde es Eisbahn für die Jugend. 1955 musste es aus gesundheitlichen Gründen für immer geschlossen werden und dient jetzt Privatleuten als Fischteich. Im Jahre 1928 wurde eine Sirene für den Alarm der Feuerwehr auf dem Dach des Schulgebäudes angebracht.

Nach der Machtübernahme durch A. Hitler im Jahre 1933 wurde die Lehrerschaft und die Schuljugend sehr für die Zwecke der Nationalsozialistischen Partei eingesetzt. Sie muss sich an Sammlungen für die Volksfürsorge (NSV), für das Deutschtum im Ausland, für die Kriegsgräberfürsorge und an Sammlungen für das Winterhilfswerk beteiligen. Die Unterrichtsinhalte werden zunehmend von der nationalsozialistischen Weltanschauung bestimmt. Es finden Sonnenwendfeiern, Reichsjugendwettkämpfe, Aufmärsche, nationale Gedenkfeiern, Verdunklungsübungen und Fackelumzüge statt. Die Jugendorganisationen der Partei beanspruchen die ganze Freizeit der jungen Generation.
Seit dem 1. Mai 1935 gibt es die Volksbücherei der Gemeinde Asendorf in der Schule.
Am 1. Mai 1937 wird das jetzige Sportheim am Brüner Bruch als Hitlerjugendheim eingeweiht.

In den Jahren des 2. Weltkrieges von 1939 – 1945 herrschte oft Lehrerwechsel und Lehrermangel, da die männlichen Lehrkräfte zum Kriegsdienst einberufen wurden.
Unterrichtsausfall gab es zusätzlich durch häufigen Fliegeralarm. Die Schulkinder wurden zu Ähren-, Vogelbeeren- und Heilkräutersammlungen eingesetzt. Die Holzsammlungen waren so ertragreich, dass die Klassenzimmer davon den ganzen Winter über geheizt werden konnten.
Am 7. April 1945 erfolgte die Besetzung des Ortes durch englische Truppen, welche die Schule belegten und ein Lazarett einrichteten.
Der Unterricht ruhte bis zum 8. Nov. 1945. Durch den Zuzug vieler Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Gebieten jenseits von Oder und Neiße kletterte die Schülerzahl ab 1946 auf 289. Somit kamen auf jeden der unterrichtenden Lehrer Hoffmann, Nier und Streech mehr als 90 Kinder.
Das niedersächsische Finanzministerium hatte wegen der schwierigen Finanzlage kein Geld für weitere Lehrerstellen. Die vorhandenen geringen Nahrungsmittelmengen, besonders an Fett und Eiweiß, bedrohten in den ersten Nachkriegsjahren die Gesundheit der Jugend. Deshalb nahmen auch die Asendorfer Schulklassen an der US-Hoover-Schulspeisung teil. Durch die Militärregierung wurde angeordnet, sämtliche bisherigen Schulbücher zu vernichten, die nationalsozialistisches Gedankengut enthielten. Die Bücher wurden zum Einstampfen abgeliefert.

Beim Unterrichtsbeginn am 8.11.1945 waren die Kinder ohne Lehrbücher.
Für das 1. Schuljahr schrieb Lehrer Hoffmann z.B. die Texte mit der Schreibmaschine.
Im Jahre 1951 wurden zum 1. Mal Elternvertreter gewählt. Erster Vorsitzender wurde Hans Schlimme. Da vor dem Krieg und während der Kriegszeit keinerlei Schulmobiliar und Lehrmittel angeschafft wurde, und durch die militärische Besetzung des Gebäudes vieles demoliert und abhanden gekommen war, gab es für die Gemeinde keine andere Möglichkeit, als die Schule zu renovieren. Neue Türen, Fußböden und eine neue Treppe waren nötig. Ebenso musste die Toilettenanlage und die Einfriedung des Schulgrundstückes erneuert werden. Außenreparaturen und die Renovierung der Lehrerwohnungen kamen dazu.
1949 wurde der Hauptlehrer Nier pensioniert. Nun übernahm Lehrer Hoffmann bis 1953 die Schulleitung. Ab dann leitete wieder Hauptlehrer Rabe, wie auch schon in der Vor- und Kriegszeit, die Schule in Asendorf.

Zum Gedenken an die durch den Krieg verloren gegangenen deutschen Ostgebiete veranstaltete man in den Jahren um 1950 des öfteren „Ostdeutsche Abende“.
In Uhlhorns Saal wurden Lieder, Gedichte, Erzählungen, Märchen und Spiele aus ostdeutschem Kulturgut vorgetragen. Neubürger und Einheimische nahmen gemeinsam mit den Schulkindern an diesen Veranstaltungen teil.
Mitte der 50ziger Jahre wurde mit dem Bau einer Turnhalle an der Bahnhofstraße für den Sportunterricht im Ort endlich die Möglichkeit geschaffen, bei Schlechtwetter und im Winterhalbjahr einen planmäßigen Sportunterricht durchzuführen. Am 17. Juni 1956 wurde die Halle mit einem großen Festakt eingeweiht.

Ende der 50ziger Jahre begann die Zeit der Schulreformen. Zunächst wurde das 9. Schuljahr eingeführt und der Englischunterricht an Volksschulen aufgenommen. Da das Schulgebäude an der B 6 inzwischen zu klein geworden war und durch den zunehmenden Verkehr sich die Lehrer im Unterricht nicht mehr verständlich machen konnten, begann man mit dem
1. Bauabschnitt einer neuen Schule. Das Grundstück stellte die Kirchengemeinde zur Verfügung. Architekt Gummels, Bürgermeister H. Bartels und seine Ratsherren, sowie Rektor Rabe erwarben sich hierbei große Verdienste.
Die umliegenden Ein-Lehrer-Schulen Kuhlenkamp, Brebber, Graue, Haendorf und Hohenmoor wurden nacheinander aufgelöst und die Schulkinder besuchten nun die neue „Mittelpunktschule“ in Asendorf.
Wegen der langen Wege wurde gleichzeitig ein Schüler Busverkehr eingerichtet, der in der Hauptsache von den Verkehrsbetrieben Grafschaft Hoya (VGH) und der Fa. Diehl aus Asendorf betrieben wurde. Dazu wurden eine ganze Reihe von Wartehäuschen an den neuen Haltestellen in den Dörfern erbaut. Nachteilig war, dass sich der Stundenplan häufig weniger nach pädagogischen Gesichtspunkten- sondern mehr nach Busankunfts- und Abfahrzeiten richtete.
Für die neu hinzugezogenen Lehrer wurde ein Lehrerwohnhaus am Alten Kirchweg mit 4 Wohnungen gebaut.
Infolge weiter steigender Schülerzahlen war die Gemeinde Asendorf bald gezwungen, in einem 2. Bauabschnitt die Schule zu erweitern.
Auch hierbei erwarben sich wieder Bürgermeister Bartels mit seinen Ratsherren, Architekt Gummels sowie Rektor Hulke große Verdienste, wie sich die gesamte Gemeinde den Neubauten wohlwollend und großzügig gegenüber zeigte.
Schulleiter Rabe schrieb 1967 in die Chronik: „Wer diese Chronik mit Bedacht liest, der kann das nicht tun, ohne Hochachtung zu empfinden vor den Persönlichkeiten, die durch ihr Können, ihren Wagemut und ihre Leistungskraft Werke haben entstehen lassen, die dem heutigen Bild Asendorfs das Gepräge geben“. Man erstellte 1 Werkraum, 1 Küche, 1 Lehrerzimmer, Verwaltungsräume, Lehrmittelzimmer, Toiletten und 5 Klassenräume. Die zwischen Turnhalle und der Schule erbaute Hausmeisterwohnung erhielt Frau Burdorf, die schon vorher viele Jahre die Schule zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde pflegte.
Die Gesamtkosten betrugen 570.000,– DM für beide Bauabschnitte.

1974 erfolgte die Gemeindereform. Asendorf wurde Mitglied der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Die Schulträgerschaft ging auf die Samtgemeinde über. Da man in Bruchhausen-Vilsen ein großes Schulzentrum baute, gingen von 1977 an alle Schüler und Schülerinnen ab der 5. Klasse nach Bruchhausen-Vilsen.

In diesem Jahr ging Rektor Hulke in den Ruhestand und Konrektor Drescher übernahm die Leitung der noch in Asendorf verbliebenen zweizügigen Grundschule. Im Jahre 1988 wurde die Grundschule Scholen mit Lehrer Wedderkop der Grundschule Asendorf als Außenstelle angegliedert.
Da das alte Schulgebäude an der Bundesstraße 6 mit den Wohnungen nicht mehr gebraucht wurde, verkaufte es der Schulträger im Jahre 1980. In 81 bewegten Jahren hatte es den Schülern des Ortes und später dann auch den Schülern aus den Nachbardörfern als Unterrichtsstätte gedient. Im Jahre 1980 ging dieses ehrwürdige Gebäude in Privatbesitz über. Es diente zunächst als Antiquitätengeschäft und danach als Durchgangslager für Umsiedler und Asylanten. Nach einem weiteren Besitzerwechsel sind heute mehrere Wohneinheiten gebildet worden, die vermietet sind.
1990 ging Schulleiter Drescher nach 40 Jahren Dienst an der Schule in den Ruhestand.
1991 übernahm mit Frau Elfriede Oley erstmals in Asendorf eine Frau die Leitung der Schule.

Exkurs über die US Hoover Schulspeisung

Die Hoover-Schulspeisung in der britischen und amerikanischen Zone
(Bizone) ab 1947
Die Schüler erhielten damals unter bestimmten Voraussetzungen eine zusätzliche
Mahlzeit, die in der Schule zubereitet und verteilt wurde. Bis heute verbindet sie
sich als „Hoover-Schulspeisung“ mit dem Namen Herbert C. Hoovers, des 31.
Präsidenten der USA (1929-33). Er hatte im Auftrag der US-Regierung Anfang
1947 Europa bereist, um die Voraussetzungen für ein umfassendes und langfristiges
amerikanisches Auslandshilfeprogramm zu erkunden. Hoover empfahl neben
vielem anderem „eine tägliche Zusatzmahlzeit (350 kcal.) für Kinder und alte Menschen aus Armeebeständen, ergänzt durch Fett und Fleisch aus dem deutschen
Viehabbauprogramm“ . Bereits am 14. April 1947 wurden in der Bizone, der seit
Jahresbeginn vereinigten britischen und amerikanischen Zone, die ersten Hoover-
Schulspeisungen aus den dafür bereitgestellten 40.000 Tonnen Lebensmittel an
Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren ausgeteilt. 3,5 Millionen Kinder
erhielten täglich eine Mahlzeit von 350 Kalorien, ab Herbst 1948 wurden auch
Studenten mit 250 Kalorien in die Verteilung einbezogen.
Angeregt zu diesem Vorschlag wurde Hoover durch eine Maßnahme der Briten.
Seit März 1946 hatten diese in ihrer Zone eine Schulspeisung aus Armeebeständen
durchgeführt und Hoover hatte sich dafür eingesetzt, dass eine solche auch in
der US-Zone stattfand.
Verspäteter Beginn der Schulspeisung in der französischen Zone
Die französische Besatzungsmacht hat sich erst ab Mai 1949 in ihrer Zone, die
das heutige Rheinland-Pfalz und den Süden Baden-Württembergs (damals die
Länder „Württemberg-Hohenzollern“ und „Baden“) umfasste, an der Schulspeisung
beteiligt. Politische Gründe waren für den verspäteten Beginn verantwortlich.
Die Vereinigten Staaten lieferten in die französische Zone zunächst keine Lebensmittel, weil die Franzosen Lebensmittel aus ihrer Zone für den eigenen Bedarf entnahmen. Außerdem hatten die Amerikaner mit den Lebensmittellieferungen ein Druckmittel, mit dem sie die Franzosen zu einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik in den drei Westzonen bewegen wollten. Mehr als ein Dreivierteljahr verging so mit bürokratischem Hin und Her. Erst im April 1949 schloss sich die französische Besatzungsmacht mit ihrer Zone dem Vereinigten Wirtschaftsgebiet an. Aus der Bizone wurde die Trizone. Deshalb kam die Schulspeisung in Rheinland-Pfalz erst am 9. Mai 1949 in Gang – im Grunde erst, als der große Hunger bereits vorüber war.

Exkurs: Hunger
Die „Frage des Brotes und des Mehls und der Kartoffeln (sind) eine Frage von erster politischer Wichtigkeit in Deutschland“ geworden, stellte der sozialdemokratische Parteivorsitzende Kurt Schumacher am 20. Mai 1946 fest. Und der niedersächsische
Landwirtschaftsminister August Block meinte: „Von allen Sorgen, die uns bedrücken, ist die eine um das tägliche Brot die größte. Viele wissen aus ihrem täglichen Erleben, was es bedeutet, einen erheblichen Teil seiner Kraft, seiner Zeit und seiner Nerven auf eine zwangsläufige „Futtersuche“ verwenden zu müssen.“

Die Nachkriegsjahre bis 1948 waren überdeckt vom „Schatten des Hungers“
Rationierungen mit Lebensmittelkarten, Kartoffelanbau im eigenen Garten,
Schwarzmarkthandel, Hamsterfahrten der Städter aufs Land und Schmuggel dienten
der legalen und illegalen Lebensmittelbeschaffung. Daneben gab es allerdings
auch schon früh in der französischen Zone Spenden ausländischer Hilfsorganisationen, z.B. durch die „Schweizer Spende“ oder durch die Quäker.
In der Stadt Landau wurden schwankende Kalorienmengen über die Lebensmittelkarten an die Bevölkerung ausgegeben. Im Juni und Juli 1945 waren es 516 bzw. 502 Kalorien, im Jahr 1946 durchschnittlich 1124 Kalorien je Monat, wobei der niedrigste Wert bei 909 im August, der höchste bei 1518 im Dezember lag.
1947 gab es durchschnittlich 1042 Kalorien, wobei von April bis Oktober die 1000-
Kalorien-Grenze deutlich unterschritten wurde. Der Dezemberwert lag mit 1243
Kalorien sogar noch unter dem des Jahres 1945 (1380). Erst im Juni 1948 übertraf die Zuteilungsmenge mit 1619 Kalorien erstmals die 1600-Kalorien-Marke. Es war der Monat, in dem die Einführung der D-Mark das Warenangebot erweiterte: Gemüse, Obst und Kartoffeln mussten nicht mehr über Lebensmittelmarken bezogen werden, es gab sie jetzt auf dem freien Markt zu kaufen. 1949 erweiterte sich das freie Lebensmittelangebot derart, dass der tatsächliche Verzehr anhand der Lebensmittelkarten nicht mehr errechnet werden kann.

Die Schulspeisung auch in der französischen Zone An fünf Schultagen pro Woche wurden 1949 nun staatlicherseits an 320.000 Kinder in Rheinland-Pfalz Mahlzeiten im genannten Umfang verteilt. Die Lebensmittel wurden von den USA kostenlos zur Verfügung gestellt, den Transport zahlte das Land, die Zubereitung erfolgte durch die Gemeinden. 10 Pfennige pro Essen mussten die Kinder bzw. deren Eltern selbst zahlen, sofern sie es konnten.

Zurück in den Sommer 1948. Am 28. Juli kam ein Schnellbrief des Ministeriums für Unterricht und Kultur „zur vertraulichen Kenntnisnahme“.
Er enthielt als Anlage die Abschrift eines Briefes des Ministeriums für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten an das Kultusministerium. Letzteres sollte feststellen,
wie viele Kinder an den höheren Schulen des Landes für eine Schulspeisung in
Betracht kämen. Denn auf einer Tagung der Landwirtschaftsminister der Westzonen
war kurz zuvor die Ausweitung der Hoover-Schulspeisung auch auf die französische
Zone angeregt worden.

Am 14. Juli 1949 teilte die Provinzialregierung mit, dass auch die Lehrer an der Schülerspeisung teilnehmen könnten, „wenn innerhalb der zugewiesenen Speisungsquote noch Portionen verfügbar sind“.

Im Januar 1950 hatte es nach elf Jahren die letzten Lebensmittelkarten gegeben, die von der Bevölkerung meist ohnehin nicht mehr in Anspruch genommen werden mussten. Am 30. April 1950, rund ein Jahr nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland, wurde in dem westlichen Teilstaat das Rationierungssystem endgültig abgeschafft, das seit Kriegsbeginn in Deutschland bestanden hatte.
Aufruf
Sicherlich gibt es noch Ehemalige, die sich an diese oder eine der früheren Schulspeisungen erinnern können. Über einen kurzen Bericht zur Ergänzung – oder
auch Korrektur – des oben Dargestellten würde ich mich freuen.

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Erläuterungen zum Bild des Lehrers Alfred Streech in Ausgabe 7/2006 von www.asendorf.info

Entstanden ist die Aufnahme aller Wahrscheinlichkeit nach Ostern 1949, als die Schüler und Schülerinnen die dritte Klasse besuchten. Anlas könnte die Verabschiedung von Lehrer Alfred Strech gewesen sein, der nach der Vertreibung 1945 nach Asendorf kam und hier in Jahren1946 bis 1949 als Lehrer an der Volksschule unterrichtete.
Das Foto zeigt in der obersten Reihe (von links nach rechts): Josef Raschke, Johann Bremer, Kuno Blum, Manfred Halleck, Willibald Stephan, Ernst Bösche, Gerhard Billig, Hans-Heinrich Mehlhop-Lange, Helmut Lienhop, Hermann Süllow und Horst Helmke.
Zweite Reihe von oben (v.I.): Heinrich Gerke, Günter Christand, Hans-Heinrich Brockmann, Heinrich Steimke, Friedrich Lienhop, Karl-Heinz Barke, Erich Böltau, Hans Bokelmann, Fritz Kehlbeck, Manfred Brehms, Helmut Wurthmann und Lehrer Strech.
Dritte Reihe: Heike Heil, Marianne Brinkmann, Elvira Hache, Irmgard Wintenann, Edda Rudolph, Gertrud Mollin, Hannelore Trudering, Wilma Ruröde, Renate Gärtner, Renate Steinbeck, Irma Siemers, Magda Raschke und Irma Kohlwey.
Vierte Reihe: Waltraud Leisering, Helga Reimers, Annegret Ehrenbruch, Annegret Kieselhorst, Gudrun Naake, Helga Dreyer, Waltraud Wünscher, Anni Wührmann, Christa Gärtner, Marianne Stephan und Betti Heinzmann.
Untere Reihe: Edith Bokelmann, Wilhelm Buck, Helmut Meyer, Johann Bomhoff, Erich Schmidt, Heinrich Dreyer, Johann Siemers und Jutta Pogrinski.

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