Archiv für März 2007

Historische Gaststätten – Gasthaus Klinker, Arbste

Mittwoch, 14. März 2007

– Ein Bericht von Fredi Rajes –

Früher war alles anders – wie oft hat sich die jüngere Generation diesen Ausspruch bereits von der älteren Generation anhören müssen. In der Tat, früher war vieles anders. Betrachten wir zum Beispiel die Anzahl der Gastwirtschaften und Kneipen in den einzelnen Ortsteilen von Asendorf, dann fallen dabei erhebliche Veränderungen auf.

Vielen wird der Ausspruch: „Wer nichts wird, wird Wirt!“ bekannt sein. Das galt früher als eine alte Binsenweisheit, die besagte, dass man mit gastronomischem Einsatz astronomische Summen erwirtschaften konnte. In den Zeiten der Lohntüten wurde das Geld praktisch kiloweise in die Kneipen getragen. Damit die Wirtschaft viel Geld einbrachte, benötigte der Wirt gerade mal eine Theke, Zapfhahn und vielleicht noch eine gute Gulaschsuppe, mehr nicht. Der Gerstensaft floss literweise und der Gastronom war der erste Nutznießer des bar ausgezahlten Lohnes. Dann kamen die Girokonten und damit das Ende der goldenen 50er Kneipenjahre. Manch eine Ehefrau war erstaunt, was ihr Mann verdient, nachdem die Abrechnungen auf elektronische Überweisung umgestellt wurden und das Gehalt des Ehemannes direkt auf dem Girokonto gelandet war. Außerdem hatten in den fünfziger Jahren die wenigsten Familien zu Hause ein Fernsehgerät. Aber die Wirte bauten in der Gaststätte ein Gerät auf, um so ihre Kundschaft zu halten. Dadurch wurden die Gaststätten wieder für weitere Gäste interessant, die abends dahin kamen, nicht nur, um ein Bier zu trinken, die bekamen auch noch umsonst das Fernsehprogramm gezeigt. Als aber dann die Fernsehgeräte immer weiter in die einzelnen Haushalte einzogen, wurde manch eine Flasche Bier zu Hause getrunken und nicht mehr in der Kneipe. Die Folge war das erste große Kneipensterben nach dem Krieg, weil auch zu Hause ein Fernseher war, die Frauen plötzlich die Hand über das Haushaltsgeld hielten und der Ehemann nicht mehr klammheimlich etwas für das tägliche Feierabendbierchen abzwacken konnte. Das ist keine Erfindung von mir, sondern eine Geschichte, die mir von einem ehemaligen Gastwirt überliefert wurde.

In diesem Bericht möchten wir uns unseren Ortsteil Arbste in Bezug auf ehemalige Kneipen näher ansehen. Mittelpunkt von Arbste war sicherlich zeitweise auch der eine oder andere Hof – aber unbestreitbar stand die Gaststätte am Bahnhof in Arbste im Mittelpunkt.

Hier in Arbste verhielt es sich doch ein klein wenig anders. Das Haus liegt direkt an der Kleinbahnstrecke Bruchhausen-Vilsen – Asendorf und direkt an der Bundesstraße 6 . Es wurde 1904 im Rahmen des Ausbaues der Kleinbahnstrecke als Gast- und Raststätte sowie als Fahrkartenverkaufsstelle gebaut. Der Bau der Gaststätte an dieser Stelle erfolgte auch vor dem Hintergrund, dass entlang der Bundesstraße 6 in Abständen von 2 – 5 km in früherer Zeit jeweils eine Gaststätte zu finden war. In der damaligen Zeit waren keine schnellen Fahrzeuge sondern Pferdegespanne unterwegs. Damit wurden Waren und Personen in die nächsten Orte und Städte transportiert. So konnte eine Fahrt von Asendorf nach Syke schon mal einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Der Bauherr des Arbster Bahnhofes kam von der nahe liegenden Hofstelle Meyer in Arbste und überließ die Nutzung des Gebäudes einem Verwalter. Erst Anfang der 30-ziger Jahre wurde das Objekt an die Familie Klinker verpachtet. Der Gaststättenbetrieb war für die Familie Klinker nicht die alleinige Haupteinnahmequelle – sie war ein Bestandteil neben der kleinen Landwirtschaft mit Kühen, Schweinen und Federvieh. In den 60-ziger Jahren konnte die Familie das Objekt erwerben. Zu der Zeit standen Johann und Lotte Klinker dann hinter der Theke am Zapfhahn. Ebenfalls in der Zeit hatte der Ort Arbste auch eine öffentliche Waage. Allein wegen dieser Waage kamen auch die örtlichen Landwirte mit Pferdefuhrwerke und hatten das Verlangen nach einem Bier oder einer anderen Erfrischung. Sicherlich konnte bei der Gelegenheit auch ein längeres Gelage daraus werden – aber in der Regel kannten die Pferde ja den Weg nach Haus, so dass auf dem Rückweg kein größeres Eingreifen des Kutschers erforderlich wurde.

Die einzelnen Faktoren wie: Bahnhof vor der Tür, öffentliche Waage auf dem Hof, Bundesstraße direkt vor dem Haus, das alljährliche Erntefest des Ortes Arbste sowie durstige Durchreisende und durstige Bürger ließen eine Bewirtschaftung der Gaststätte noch bis in die 90-ziger Jahre zu. Aber mit dem Tode von Lotte Klinker musste auch diese Gaststätte schließen. Das gleiche Schicksal hatte bereits wesentlich früher viele andere Gaststätten ereilt.

Trotz der günstigen Lage dieser Gaststätte wurde sie zu keiner Zeit ein Touristen- oder Ausflugsziel; diese Gäste waren zwar auch vertreten – aber in der Hauptsache konnten die Wirtsleute auf Ihre Arbster Gäste zählen – und zwar 7 Tage in der Woche und an den Erntefesttagen auch die Nächte dazu!