Archiv für November 2007

alte Gaststätten

Sonntag, 18. November 2007

D. POTTBERG GEMISCHTWAREN – GASTWIRTSCHAFT 3091 GRAUE – Ruf Asendorf 454 so ist der Abdruck eines alten Stempels, der noch existiert, heute jedoch nicht mehr zum Einsatz kommen wird. Unter manch eine Quittung und manch einen Lieferschein aus alter Zeit ist er gesetzt worden. Aber beginnen wir am Anfang der Geschichte. Friedrich Hittmeyer war der Vorbesitzer des Anwesens an der Bundesstraße 6. Also ein altes Haus, in dem Handel und eine Gastwirtschaft schon vor 1900 betrieben wurden. Im Jahre 1919 wechselte der Besitzer. Das Grundstück einschließlich der Geschäfte wurde von Fritz Pottberg gekauft und weiter betrieben. Mehrere Aus- und Anbauten veränderten das Anwesen im Laufe der Jahre. Die Geschichte dieses Grauer Hauses ist ausführlich in dem Buch „Zwischen Mühlen und Heide“ von Heinrich Meinke behandelt worden. Lisa Pottberg hat in dem Buch einen Rückblick unter der Überschrift „Es war einmal ein kleine Kneipe und ein Tante-Emma-Laden …..“ aufgeschrieben und soll deshalb nicht hauptsächlicher Inhalt dieses Berichtes sein. Während anfangs noch mit einem Korb am Fahrrad die Waren aus dem Gemischtwarenhandel von Fritz Pottberg transportiert wurden, kamen später Pferd und Wagen zum Einsatz. Eier und selbstgemachte Butter wurden von den hiesigen Landwirten abgeholt und dann an einen Großhändler weiterverkauft. Im Gegenzug belieferte Fritz Pottberg die heimische Bevölkerung mit damals notwendigen Waren des täglichen Lebens. Salzheringe, Petroleum und Essig wurden neben den Grundnahrungsmitteln und der noch übersichtlichen Vielfalt an Süßigkeiten für Kinder verkauft. Der Gemischtwarenladen wurde 1968 aufgegeben. Die Gastwirtschaft wurde, wie wir es auch bereits vom Gasthaus Klinker in Arbste erfahren haben, durch ihre direkte Lage an der Bundesstraße 6 neben den Dörflern von vielen Durchreisenden angefahren. Die Holzfahrer und die Knechte mit ihren Fuhrgespannen machten hier Halt, um ihre Pferde unter den drei Lindenbäumen zu tränken und für sich selbst eine Erfrischung in der Gastwirtschaft zu bestellen. Ein heute über 80- jähriger, der als Jungknecht für die Schnapsbrennerei Eickhorst zur Eickhorst mit Fuhrgespannen die Gastwirtschaften aufsuchte, erzählte mir, dass er auch die Gastwirtschaft Pottberg belieferte. Vor dem Kriege wurde mit Pferd und Wagen ausgeliefert – und als der Brennbetrieb nach den überstandenen Kriegswirren ca. 1951 wieder aufgenommen wurde – erfolgte die Auslieferung bereits mit motorisierten Fahrzeugen. Ebenfalls erzählte er vom Tanz im Freien bei Pottbergs. Auf im Garten ausgelegtem Tanzboden wurde ausgiebig gefeiert. Die Mägde und Knechte der Umgegend kamen zusammen, feierten und tanzten abends im Schein bunter Laternen. Aber auch andere Veranstaltungen „gingen hier ab“: Auf der vorhandenen Kegelbahn, wo sich Kinder durch das Aufstellen der Kegel ein kleines Taschengeld verdienten; auf dem Schießstand, der extra für jede Veranstaltung auf der Wiese hinterm Haus aufgebaut wurde und auf dem die Ringzahl von Hand angezeigt wurde – oder auf den Festen, die in der Scheune bei Pottbergs und später wieder in einem Zelt auf der Wiese stattfanden. Die Rückseite einer Postkarte aus den 50-ziger Jahren weist bereits auf eine Spezialität dieses Gasthofes hin: „Gilde Bräu“ – Ein Bier, welches seit 1526 in Hannover gebraut wird. Heute gehört die Gilde-Gruppe zur Belgischen InBev-Familie, eine der größten Brauereikonzerne der Welt mit ihrem Sitz in Brüssel. Manch eine Flasche und manch ein Fass sind sicherlich bei Pottbergs geleert worden. Davon zeugen auch die Bilder aus den 50-ziger und den 80-ziger Jahren. Eigentlich – dies betont Lisa Pottberg in unserem Gespräch des öfteren – „hat sie es gar nicht mit dem Fotografieren“, aber heute sind all diese Bilder doch schöne Erinnerungen für die ehemalige Gastwirtin. Die Bilder dokumentieren das Erwachsenwerden der Jugendlichen aus Graue und Umgebung von einer anderen Seite – abseits und außerhalb des Elternhauses. Hier in den Räumlichkeiten des alten Gasthauses Pottberg wurden den Jugendlichen auch Grenzen gesetzt. Es wurde immer versucht, gut miteinander auszukommen. Auch die ältere Generation traf sich gerne zum Kartenspielen und Sonntags zum Frühschoppen. Wie früher in allen Gaststätten, so waren auch hier die Briefträger und Milchwagenfahrer anzutreffen. In einer Gaststätte wurde über viel Neues berichtet, von Geburten und Hochzeiten, Sterbefällen und vieles andere mehr. So auch in den Jahren, wo die Gaststätte vom Ehepaar Dietrich und Lisa Pottberg betrieben wurde. Wegen der schweren Erkrankung ihres Mannes wurde die Gaststätte auf seinen Wunsch hin ganz plötzlich am 12.12.1991 geschlossen. Bericht von Fredi Rajes in Zusammenarbeit mit Lisa Pottberg