Archiv für März 2008

Alte Gaststätten – Strümplers Gasthaus ein Bericht von Fredi Rajes

Mittwoch, 12. März 2008

„Strümplers Gasthaus“ – So stand der Schriftzug auf einer Wandplatte über dem Eingang des Hauses. Die Rede ist hier vom Haus- Nr. 10 in Essen, Ortsteil Lichtenberg. Die heutige Anschrift  dieses Hauses ist Asendorf, Hoyaer Str. 8 – und wer zu dieser Anschrift fährt, erreicht heute dort die Familie Holste. „Strümplers Gasthaus“ stand in der Zeit vor Holstes für eine von mehreren  Gastwirtschaften im damaligen Ort Essen-Steinborn. 1925 hatte der Ort Essen 150 Einwohner; im Jahre 1939 waren es 166 gemeldete Einwohner.

Im Vergleichsjahr 1925 wurden in Asendorf  758 Einwohner gezählt und 1939 waren es 1.170 Einwohner. Interessant ist noch, dass im Jahre 1885 ganze 444 Einwohner in Asendorf  registriert waren. Hermann und Sophie Strümpler geb. Nordhausen sind sicherlich noch einigen Einwohnern Asendorfs bekannt; führten sie doch diese Gastwirtschaft von 1927 bis zum Jahre 1964.

Das Ehepaar Strümpler feierte am 31. Juli 1958  im Alter von 72 bzw. 68 Jahren die Goldene Hochzeit.  Bevor sie die Gastwirtschaft einschließlich der dazugehörenden Landwirtschaft auf dem Lichtenberg übernommen hatten, war Hermann Strümpler in der Boymannschen Ziegelei in Bruchmühlen  und danach als Verwalter für die Ländereien des damaligen Landrates des Kreises Hoya beschäftigt. Aus einem alten Bericht der Kreiszeitung vom Juli 1958 anlässlich der Goldenen Hochzeit des Paares ist überliefert, dass die Eheleute freundlich und humorvoll waren und dadurch auch sehr gute Wirtsleute abgaben.  Im Jahre 1981 starb Hermann Strümpler im gesegneten Alter von 95 Jahren in Homfeld-Heiligenberg, seine Ehefrau war bereits ein paar Jahre zuvor verstorben.

Schon vor der Generation Strümpler war in den Räumlichkeiten dieses Hauses eine Wirtsstube. Auf einer alten Karte prangt der Schriftzug „Gruß vom Lichtenberg – Gasthaus zur Linde – Fridrich Ahlers“. Das Bild mit den stattlichen Reitern vor der Gastwirtschaft wurde vermutlich um 1920 aufgenommen. In den Unterlagen des Archivs ist ausdrücklich vermerkt, dass auch die Wirtin Marie Ahlers auf diesem Bild abgelichtet ist.  Die im rechten Teil des Bildes vorhandene, kunstvoll geschnittene Buche war lange Jahre – vermutlich bis in die 70-iger Jahre – der Blickfang vor dem Haus. Im Sommer spendeten der Baum und die zusätzlich vorhandenen Büsche angenehmen Schatten.

Aber bereits vor der Generation Ahlers existierte dieses Haus. Der Name Focke ist überliefert.

Als Eigentümer des Hauses tauchen in der zeitlichen Reihenfolge die Namen Focke,  Ahlers, Fridrich Meyer, dann durch Erbfolge Alma Steffen, geb. Meyer, Erdwig und Henni Holste und bis zum heutigen Tage Christa Holste auf.

Bei meinen Recherchen habe ich die Frage gestellt: Was lief denn in der Gastwirtschaft so ab? Welches Publikum verkehrte dort und welche Feste wurden gefeiert?

Auf all diese und andere Fragen erhielt ich Auskunft von Christa Holste als heutige Eigentümerin  sowie von Reinhard Schröder aus Engeln-Scholen und sehr ausführlich von Hans Eggers aus Asendorf – beide Enkel des Gastwirts-Ehepaares Strümpler.

Die Antwort auf die erste Frage machte mich stutzig: Es wurde dort viel „Tee“ getrunken – Gegenfrage: viel „Tee“? – Antwort: Ja viel „Schlich-tee“ – nicht gekühlt aus der Truhe – nein Zimmertemperatur vom „Tee-Bord“. Dabei passierte es schon mal, dass eine Tour nach Asendorf zum Kohle holen  einen ganzen Tag dauerte. Dadurch beantwortete sich auch bereits die zweite Frage. Das Publikum kannte man und man kannte sich – alle kamen aus dem Ort. Die Landstraße von Asendorf nach Hoya, die im Jahre 1884 mit finanzieller Beteiligung der Gemeinde Essen in Höhe von 1000,– Mark ausgebaut wurde, hatte sicherlich keinen großen Einfluss darauf, dass zusätzliches Publikum die Wirtschaft aufsuchte.

So und welche Feste wurden gefeiert? Derzeit belegen kann ich nur die Schützen- und Erntefeste, die zeitweise im Wechsel mit dem Gasthaus Ramke in Steinborn auf dem Zelt gefeiert wurden.  Das Zelt stand regelmäßig  vor dem Giebel des Gasthauses Strümpler. Als Musiker war die Kapelle Nordhausen aktiv. Für die Kapelle war es sozusagen ein „Heimspiel“; war doch die Gastwirtsfrau eine geborene Nordhausen. Gäste, die diesen Festen beigewohnt haben, berichten noch heute, dass es die schönsten Schützenfeste waren. Es war immer „gewaltig was los“. Im Jahre 1964 kauften die Eltern der heutigen Eigentümerin das Anwesen von Alma Steffen, geb. Meyer und richteten bis 1974 noch diese Schützen- und Erntefeste aus.  Bis dahin kam auch noch der alte Schießstand hinter dem Haus zum Einsatz. Heutigen Anforderungen könnte er nicht mehr genügen und ist auch nicht mehr vorhanden.

 

Die Bilder wurden zur Verfügung gestellt von Christa Holste, Reinhard Schröder und Hans Eggers.