Archiv für Dezember 2008

Vor 100 Jahren in Asendorf

Samstag, 13. Dezember 2008

Vor 100 Jahren in Asendorf
Was mag vor über 100 Jahren in Asendorf vorgefallen sein? Belegt ist im 2. Teil der Asendorfer Schulchronik, dass „mancherlei Klagen über Rüpeleien von Radfahrern, Strolchen u.s.w.“ Veranlassung zur Einrichtung einer eigenen Gendarmeriestation für das Kirchspiel Asendorf war.
Bereits mit Napoleon kam das System der Gendarmerie als Ordnungstruppe auch nach Deutschland. Ab 1809 wurden für den Polizeidienst, vor allem auf dem Lande, in fast allen deutschen Staaten Gendarmerien zu Pferde und zu Fuß ausgebildet, die an die Stelle der früheren „Landdragoner“, „Landreiter“, „Landjäger“ oder „Polizeihusaren“ traten.
Die Einrichtung der preußischen Gendarmerien wurde zunächst durch das Gesetz vom 30. Juli 1812 geschaffen. Der Gendarm war zu der Zeit also ein Soldat. Er unterstand aber in Bezug auf die Ausübung seiner amtlichen Tätigkeit einer Zivilbehörde.
Die Gendarmerie in Deutschland als militärische Organisation für den zivilen Bereich bestand bis zum Ende des Kaiserreiches. Erst in der Weimarer Republik erhielten die deutschen Länder die „Polizeihoheit“ und schufen eigene vom Militär unabhängige Polizeiformationen.
Während Asendorf zuvor zur Gendarmeriestation Hoya gehörte, wurde am 1. April 1908 ein berittener Gendarm nach Asendorf versetzt, dem außer dem Kirchspiel Asendorf auch die Gemeinde Oerdinghausen als Bezirk zugewiesen wurde. Der erste Asendorfer Gendarm war der Wachtmeister Hillmer, der davor in Nienburg stationiert war. Er bewohnte die unteren Räume der 2. Lehrerwohnung, die der Lehrer Logemann für 200 Mark an ihn vermietet hatte.
Von dieser Mieteinnahme flossen 10 % gemäß Beschluss des Schulvorstandes in die Schulkasse. 50 Jahre später, während der Ära des Polizeiobermeisters Pohl zeigt sich Asendorf aus Sicht der Polizei ganz anders. In einem Artikel der Kreiszeitung ist dort zu lesen: „Ein gutes Zeugnis stellt übrigens der Leiter der Polizeistation Asendorf seinen Mitbürgern aus. Sie sind ruhig, vernünftig und geben kaum Anlass zu Besorgnis oder zum Einschreiten“. Sein Revier, dass er mit den Polizeimeistern Kappermann und Podschies verwaltete, umfasste neben Asendorf auch die Ortschaften Brebber, Graue, Windhorst, Uepsen, Kuhlenkamp, Hohenmoor, Oerdinghausen, Scholen, Engeln, Haendorf und Essen.
Bis 1954 war die Polizeistation Asendorf in Langes Haus in der Essener Str.1 untergebracht. Nach 1954 befand sich die Polizeistation im Haus Hohenmoorer Str. 8.
Nachfolger des Polizeiobermeisters Pohl wurde am 1.10. 1966 unser heutiger Bürgermeister Wolfgang Heere, der zusammen mit Polizeimeister Kappermann in Asendorf seinen Dienst versah. Im Rahmen der Polizeireform wurden zum 1.5. 1970 die kleinen Dienststellen aufgelöst. So wurde die Asendorfer Dienststelle gemeinsam mit den Dienststellen in Martfeld und Schwarme in Bruchhausen-Vilsen zusammengefasst. Ab dem Zeitpunkt versahen 6 Polizeibeamte in Bruchhausen-Vilsen den Dienst und waren für den gesamten Bereich zuständig. Zum Zeitpunkt der Zusammenlegung aller Dienststellen waren die 6 Beamten für rd. 13.500 Einwohner zuständig. Heute sind 6 Beamte in Bruchhausen-Vilsen für rd. 18.000 Einwohner zuständig.

Vor rd. 100 Jahren, in den Jahren 1908 und 1909 werkten die Handwerker auch im großen Stil in der Asendorfer Kirche. Ostern 1908 begann der Maurermeister Gerke aus Bruchhausen mit den vorweg erforderlichen Abbrucharbeiten. Dann wurde die Erweiterung um zwei Querschiffe und die Apsis vorgenommen. Die seinerzeit fortschrittliche Dampfheizung wurde im Dez. 1908 von einer Hamburger Firma montiert. Im Rahmen dieser Erweiterungen und Renovierungen wurde auch der Altar ersetzt. Die Arbeiten am Gotteshaus scheinen auch dringend erforderlich gewesen zu sein, weil die Schulchronik bereits davon berichtete, dass „seit Jahrzehnten keine Hand angelegt ward, um den Verfall des Gotteshauses aufzuhalten. An manchen Stellen war der Kalk von Wänden und Decke hernieder gefallen. Dadurch war dann das tote Einerlei der öden Kalkfläche ein wenig belebt.“
Im Herbst 1908 wurde noch die Turmuhr, die bis dahin am Gemäuer zwischen den Schalllöchern gesessen hatte, in das Dach integriert um weithin gesehen zu werden. Den Abschluss der Renovierung feierte die Kirchengemeinde im März 1909 im Rahmen eines großen Freudentages mit Beteiligung des Posaunenchores Bruchhausen. Ebenfalls anwesend an diesem sonnigen Tage waren viele Geistliche, der Landrat, die Kirchenvorsteher und die Gemeinde.
Aber auch grundlegende Entscheidungen wurden zu der Zeit getroffen: waren doch Anfang des 18. Jahrhunderts alle Sitzplätze in der Kirche verteilt worden, stand man jetzt vor der Frage, alle Sitzplätze zu Freiplätzen zu erklären. Bisher entrichteten rd. 300 Häuser einen Obolus dafür, dass sie bestimmte Plätze in der Kirche inne hatten, die auch mit ihrem Namen versehen waren. Da die Anzahl der Haushalte jedoch inzwischen auf über 600 angewachsen war, fragte man sich, wo die Neuen denn ihren Platz in der Kirche finden sollten. Während zuvor bereits in anderen Gemeinden die Kirchenvorstände die Kirchenstandsberechtigungen aufgehoben hatten, bemühte der Kirchenvorstand in Asendorf die gesamten stimmberechtigten Kirchenmitglieder zur Abstimmung. Als Ergebnis dieser Abstimmung wurde auch in Asendorf die freie Platzwahl in der Kirche eingeführt. Somit konnte jeder Gottesdienstbesucher seinen Platz in der Kirche frei wählen.

Ein Bericht von Fredi Rajes – vielen Dank für die zusätzlichen Informationen von unserem Bürgermeister Wolfgang Heere