Archiv für Dezember 2009

Gasthaus Wachendorf, Hohenmoor – ein Artikel im Heft 19 Asendorf.info von Fredi Rajes, Asendorf

Dienstag, 8. Dezember 2009

Gasthaus Wachendorf in Hohenmoor
Hohenmoor, bis 1973 noch autarker Ort in der Samtgemeinde Asendorf mit eigener Grundschule, einem Kaufmannsladen und einer Gastwirtschaft. Danach Teil der Landgemeinde Asendorf und zum jetzigen Zeitpunkt nicht nur ohne eigene Schule und eigenen Kaufmannsladen – sondern bereits seit 1992 auch ohne Gastwirtschaft im Ort. Es ist hier die Rede vom Gasthaus Wachendorf in Hohenmoor, welches sich seit 1926 im Besitz der Eheleute Karl und Dora Wachendorf befand und von diesen auch geführt wurde. Im Jahre 1963 übergaben die Senioren das Zepter an Karl Wachendorf jun. und seine Ehefrau Gerda. Die beiden neuen Inhaber brachten – auch bedingt durch die Kellnerlehre in Bremen die Karl Wachendorf absolvierte – beste Voraussetzungen für die Führung des Gasthauses mit.

Im Rahmen einer ständigen Erweiterung des Betriebes wurde im Jahre 1956 der Saal gebaut. Als Besonderheit war am Ende des Saales eine Bühne und darunter eine Bar eingefügt. 1958 heirateten die Eheleute Gerda und Karl Wachendorf. Dadurch konnten ab 1959 Familienfeste bei Wachendorfs gefeiert werden. Als erste Feier stand die grüne Hochzeit vom Schmied Heinrich Henke auf dem Terminplan bei Wachendorfs. Bis zu 130 Personen konnten auf dem Saal incl. Bühne Platz finden. Dann war allerdings auch die Unterstützung von weiteren Personen aus dem Ort erforderlich um den Service für diese große Anzahl Gäste leisten zu können. Durch die freundliche Art der Wirtsleute war die Personalfrage bei großen Veranstaltungen nie ein Problem. Aber nicht nur die Familienfeiern waren fester Bestandteil der Aktivitäten. Der Dorfschullehrer Krüger und später auch der Lehrer Wedderkopp waren tägliche Essensgäste im Wirtshaus. Gerda Wachendorf war für ihre guten und schmackhaften Gerichte bekannt, zu denen auch stets ein Nachtisch gehörte.
In der Ausgabe 18/2009 dieses Infoblattes habe ich über das Erzvorkommen berichtet. Die Arbeiter aus diesen Bohrtrupps waren ebenfalls Gäste im Hause Wachendorf.

Auch die heimische Bevölkerung nahm diese Gastwirtschaft gut an. In den 60-ziger Jahren wurden zusätzlich Viehabnahmen mit den Handelsleuten aus Nienburg, Wietzen, Schwaförden, Kuhlenkamp und Barsinghausen durchgeführt. Hier war alle 7 bzw. 14 Tage ein Treffpunkt der Viehhändler. Gut, dass neben der großen Viehwaage auch eine Gaststätte vorhanden war!
Im Jahre 1963 mussten auf Grund behördlicher Auflagen zusätzliche Toiletten gebaut und der Holzfußboden in der Gaststube durch einen feuerfesten Kunststoffboden ersetzt werden.
Lindenbäume, die bereits auf Bildern aus 1926 zu sehen sind, säumten ebenfalls bis Anfang der 60-ziger Jahre die Straßenfront des Gasthauses Wachendorf.

Bis 1969 wurden die Schützenfeste auf einem Zelt, welches auf dem Hof aufgebaut war, gefeiert. Später wurden auch diese Feste aus Kostengründen auf den Saal verlagert.
Der Schützenkönig sowie das Pokalschießen konnten ab 1956 auch auf einem eigenen Kleinkaliber-Schießstand ausgeschossen werden. Später war aus Sicherheitsgründen nur noch ein Königsschießen mit Luftgewehr möglich. In den 70-ziger Jahren wurde der Schießstand aufgegeben. Die Nutzung und die erforderlichen Instandsetzungen standen in keinem angemessenen Verhältnis mehr.
Auch eine Theatergruppe aus Hohenmoor hatte für mehrere Jahre ihr Domizil in dieser Gastwirtschaft. Die Aufführungen fanden auf der Bühne bei Wachendorfs statt und stellten eine Bereicherung des Dorflebens dar.
Zum Ende der 60-ziger Jahre verloren die einzelnen Gastwirtschaften an Bedeutung, weil sie nicht mehr der alleinige Treffpunkt der heimischen Bevölkerung waren. Strengere Alkoholkontrollen der Polizei ließen das Risiko „mit Fahne erwischt zu werden“ ansteigen. Die Eheleute Gerda und Karl Wachendorf mussten auch auf diese veränderten Bedingungen reagieren. Die Gaststätte wurde aus diesem Grunde ab 1965 nur noch im Nebenerwerb geführt. Karl Wachendorf nahm eine Tätigkeit beim Katasteramt auf. Es war der Beginn einer allgemeinen Veränderung im Dorfleben. In den folgenden Jahren mussten sich viele ehemals Selbständige eine andere bzw. zusätzliche Tätigkeit suchen. Sie fanden diese Arbeitsstätten teils in der Nähe – teils als Hafenarbeiter in Bremen.

Unzählige Gläser Wülfeler Bier waren in den ganzen Jahren von Gerda und Karl Wachendorf ausgeschenkt worden, bevor 1991 die Konzession zurückgegeben wurde. Im Jahre 1992 verkaufte Gerda Wachendorf das Anwesen. Hiernach kam in diesem Haus kein neuer Gaststättenbetrieb in Gang. Pläne bestanden zwar, eine Verwirklichung der Pläne wurde allerdings nicht vollzogen.

auf diesem Bild von links nach rechts:
Magda Koppe, Dora Wachendorf, Maria Schumacher, Gerda Wachendorf, Christa Korte sowie die Köchin des Hauses in der Gaststube

Nachtrag für das Internet zum Schmunzeln:

Gründe für Familienfeste außerhalb der eigenen vier Wände:

Ich hasse die Familienfeste – jeder glaubt – er sei der beste !
Verwandtschaft frißt – Verwandtschaft säuft – bis alles aus den Ohren läuft !
Die Wohnung schon ein Trümmerfeld – da wird schon wieder Schnaps bestellt,
Ich darf’s bezahlen und servieren – hinweg mit allen Tischmanieren,
die Katze geht auf Tauchstation – denn sie ist klug und kennt das schon !
Nach einer Woche großem Prassen – tun sie mich endlich dann verlassen,
die Wohnung hin und ruiniert – man hat gekotzt und uriniert,
auf Teppich, Fliesen und auch Läufer – was sind das nur für schlimme Säufer !
Verwandtschaft ist schon eine Plage – ich zähle schon die vielen Tage,
wenn´s wieder heißt „Familienfest“ – dann kriegt ein andrer mal die Pest.
Der Vetter August, der ist dran – kein Mitleid hab ich mit dem Mann.
Wie der sich hier hat aufgeführt – und meine Wohnung ruiniert,
ich zahls ihm heim – dem Wüterich – denn eingeladen hat er mich.
Dann teil ich aus an seine Gäste – so liebe ich Familienfeste !