Archiv für Juli 2011

Den Schwimmverein Moorhexen gibt es schon seit 1947

Donnerstag, 14. Juli 2011

Den Schwimmverein Moorhexen gibt es schon seit 1947 / Die
junge Generation möchte die Badeanstalt aufpeppen

– 14.07.2011
Bis zum Siedepunkt
Von Jörn Dirk Zweibrock
Asendorf-Hohenmoor. Pack‘ die Badehose ein, nimm‘ Dein kleines Töchterlein und dann nischt wie
raus zu den Moorhexen. Das denken sich Sonja Troue-West und Anke Bolte aus Mallinghausen
Abend für Abend. 1948 wurde die Hohenmoorer Badeanstalt vom Schwimmverein Moorhexen in
Betrieb genommen. Direkt an der Kreisstraße Asendorf-Sulingen gelegen, erfreut sich das 24 mal
14 Meter große Becken 63 Jahre später noch mittelgroßer Beliebtheit. „Kostengünstig und
familienfreundlich“, fasst Sonja Troue-West die Vorteile der wohl kultigsten Badeanstalt im
Diepholzer Nordkreis zusammen. Die wird mit dem Moorwasser des benachbarten Flüsschens
Siede gespeist.
In den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als es noch keine Freibäder in Vilsen
und Siedenburg gab, erlebte die Hohenmoorer Badeanstalt ihre Blütezeit. Bilder von rauschenden
Schwimmfesten, bei denen abends in den Zelten getanzt wurde, erinnern noch heute an die gute alte
Zeit. Schnell heizte sich damals die Stimmung bis zum Siedepunkt auf. Stichwort Blütezeit: Auch in
diesen Tagen blüht es, es sind die Linden, die sich in unmittelbarer Nähe des Beckens ausbreiten.
Weil die Siede derzeit so wenig Wasser führt, kann das Schwimmbecken nicht geflutet, geschweige
denn können die Lindenblüten beseitigt werden. Die Wassernixen aus Mallinghausen stört dies
hingegen weniger. „In der Badeanstalt gibt es keinen Stress mit Pommes und Eis“, freut sich Sonja
Troue-West, dass die Lütten beim Baden nicht von Naschereien abgelenkt werden. Eintritt?
Fehlanzeige! In Hohenmoor darf gratis geplanscht werden.
Die Geschichte der Badeanstalt spiegelt auch die des Ortes Hohenmoor wieder. So hat
beispielsweise Herfried Grafe dort noch schwimmen gelernt. Unzählige Sommertage habe er im
Siedewasser verbracht. „Ich war damals unheimlich braungebrannt, hatte eine richtige Lederhaut“,
erinnert sich der Hohenmoorer an unbeschwerte Kinder- und Jugendtage. Moorwasser würde eben
stärker bräunen als herkömmliches, sei darüber hinaus im Schnitt drei Grad wärmer, aufgrund des
geringen Härtegrads wesentlich weicher und eben gut für die Gesundheit, pflichtet ihm Heinrich
Ahrens bei. Der ist schon seit 20 Jahren Vorsitzender des Schwimmvereins Moorhexen und
zugleich ein Hohenmoorer Original. An Nacktbadende und randalierende Berliner Ferienkinder
kann er sich nur noch allzu gut erinnern.
86 Mitglieder zählt der Schwimmverein momentan. Vor zwei Jahren gelang dem gewieften
Landwirt aus der Gemeinde Asendorf ein kleiner Coup: Er verpflichtete die Nachbarsjungen, gab
ihnen ein Amt – schon war der Generationenwechsel im Verein eingeleitet und damit auch dessen
Fortbestand gesichert. So ist Herfried Grafes 18-jähriger Sohn Alexander inzwischen Schriftführer
bei den Moorhexen, Claas Menke (20) gar zweiter Vorsitzender. Neben dem Hohenmoorer
Schützenverein sind die Moorhexen schließlich der größte Verein im Dorf.
Selbiger wurde 1947 von insgesamt 13 Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben. Mit Schaufel,
Spaten und Schubkarre ausgerüstet, schritten die Hohenmoorer ein Jahr später zur Tat, um das
Becken auszuheben. Den Grund und Boden dafür pachteten sie von den Familien Husmann,
Ohlhoff und Menke. „Gezahlt wurde mit Briketts“, weiß Heinrich Menke aus Erzählungen. Ein
zunächst als Umkleidekabine genutzter Bauwagen wurde später durch einen Holzbau ersetzt.
„Den haben wir pünktlich zum Saisonstart angestrichen“, berichtet Alexander Grafe vom
alljährlichen Frühjahrsputz im Bad. Das traditionelle Matjesessen zum Ausklang der Badesaison im
September hat sich der Schriftführer schon dick im Terminkalender vorgemerkt. Ein absolutes Muss
für eine richtige Moorhexe, die übrigens – wie sollte es auch anders sein – hochprozentiges Sulinger
Moorwasser als Vereinsgetränk bevorzugt. In diesen Jahr sollten noch die Büsche beschnitten
werden, damit der mittlerweile komplett überwucherte Schriftzug SV Moorhexen wieder für
jedermann gut sichtbar werde. Grafe und seine Kumpels möchten das etwas in die Jahre
gekommene Bad wieder aufpeppen. Die zweite Umkleide solle abgerissen und auf der frei
werdenden Fläche dann eine Grillhütte errichtet werden. Zudem seien kleinere
Verschönerungsarbeiten wie das Streichen der Handläufe und der eisernen Trennstange im Becken
geplant.
Wenn Friedrich Heider, Moorhexe seit mehr als 50 Jahren, diesen Sommer jeden Abend seine
Bahnen in der Badeanstalt zieht, freut er sich immer, dort auswärtige Schwimmer begrüßen zu
dürfen. Wie Sonja Troue-West und Tochter Ramona. „Ich habe in Hohenmoor schwimmen gelernt“,
erzählt die Zehnjährige stolz. „Mit dem Bauchgurt“, ergänzt ihre Mutter.
Doch was ist schon Rücken oder Kraul gegen Löffelschwimmen? Gern erinnert sich Friedrich
Heider an früher, an Spiele ohne Grenzen. „Da mussten wir mit einem Esslöffel im Mund
schwimmen. Darauf lag ein Ei“, klärt er auf, was es damit auf sich hatte.