Archiv für August 2012

Ziegelsteine aus Asendorf – der ungekürzte Bericht von Fredi Rajes aus Heft 29

Sonntag, 26. August 2012

„Ziegeleiweg“ – dieses Straßenschild weist auf ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten hin. Es ist der Name der Straße, die bis Anfang des letzten Jahrhunderts zu einer Ziegelei führte. Bereits im Bericht über die Gaststätte Ramke in Steinborn erwähnte ich in einem Absatz das Vorhandensein der Ziegelei.
„ .. Neben dem Ausschank gab es die Möglichkeit des Ausspannens. Dieses Angebot nutzten die Fuhrleute der Umgebung. In Asendorf gab es die Sägerei, die ihre Holzlieferungen teilweise aus Hoya über die Weser antransportierte sowie die Ziegelei der Fam. Stegemann, bei der die fertigen Produkte zu der Zeit ebenfalls per Pferdefuhrwerk abtransportiert wurden…“
Leider liegen mir über diese historische Tatsache keinerlei schriftliche Dokumentationen vor. Alles hier gesagte bzw. geschriebene habe ich aus den Erzählungen älterer Bürger, die aber allesamt keine Zeitzeugen dieser Ziegelei mehr sind und aus Recherchen zu anderen Ziegeleien der damaligen Zeit zusammengetragen.
Der Beginn und der Aufbau dieser Ziegelei ist vom Datum nicht genau feststellbar. Bekannt ist nur Folgendes: Am Brüner Bruch stand eine Ziegelei, die zum Rittergut Renzelfelde gehörte. Die Anlagen der Ziegelei wurden vermutlich um das Jahr 1700 errichtet. Bis zum Jahre 1914 wurden hier Mauer- und Dachziegel gebrannt. Der Betrieb wurde in dem Jahr eingestellt, weil der Versuch einer genossenschaftlichen Übernahme nicht verwirklicht werden konnte. Die letzten Steine, die in dieser Ziegelei gebrannt wurden sind im Haus Essener Str. 21 verbaut worden.
Am fehlenden Rohstoff kann es nicht gelegen haben, denn über das damalige Abbaugebiet hinaus sollen noch gewaltige, bis über 15 m starke Tonvorkommen vorhanden sein.
Ein Grund des Scheiterns war sicherlich auch die Erfindung des Hoffmannschen Ringofens. Ein ringförmiger Ofen zum ununterbrochenen Brennen aller Arten von Ziegeln, Tonwaren, Kalk, Gips und dergleichen. Der Ringofen revolutionierte die Ziegelindustrie ab Ende des 19. Jahrhunderts. Der kontinuierliche Brand lieferte zum ersten Mal eine gleich bleibende Qualität der Ziegel, während das Ergebnis in den vorher üblichen Kammeröfen nach jedem Brand anders aussah. Außerdem brannten die Ringöfen erstmals ununterbrochen Tag und Nacht, was den Bedarf an Arbeitskräften sprunghaft anwachsen ließ, zugleich aber auch eine vorher nie gekannte Steigerung der Ziegelproduktion ermöglichte.

Das einzige, heute noch am Ziegeleiweg gelegene Haus war das Wohnhaus des damaligen Ziegeleimeisters. Es wurde während der Jahrhunderte mehrfach verkauft bevor es von Heinrich Horstmann auf Dorothea Hake und dann auf den jetzigen Eigentümer Friedhelm Hake überging. Zum Haus des damaligen Ziegeleimeisters gehörte ein Brunnen mit der Inschrift „Julius Friedrich Oldenburg 1701“. Die Dynastie der „Oldenburgs“ findet sich auch in der Chronik zum Rittergut in Renzelfelde (Hof Stegemann-Auhage) wieder. Diese Brunnensteine sind heute noch vorhanden, wurden allerdings an anderer Stelle wieder aufgestellt.

Im 18. Jahrhundert wurden in der Umgebung von Asendorf mehrere Ziegeleien betrieben. Als nächstgelegene ist die Ziegelei in Bruchmühlen bekannt.

Die Arbeit in den Ziegeleien wird im 18. und 19. Jahrhundert wie folgt oder ähnlich abgelaufen sein:
Tongräber gruben den Lehm oder Ton im Tagebau mit dem Spaten ab oder brachen ihn mit der Hacke. Die Lehmgruben der Asendorfer Ziegelei befanden sich an der heutigen Straße nach Hoya im Bereich des Brüner Bruches, Aus Erzählungen ist überliefert, dass die durch den Abbau entstandenen Gruben noch lange nach Schließung der Ziegelei eine Tiefe von rd 9 m hatten und von den Kindern und Jugendlichen gerne als Bademöglichkeit genutzt wurden.

Das im Spätherbst abgebaute Rohmaterial wurde mit der Schubkarre oder mit Pferd und Wagen von der Grube zum „Wintern” auf den Platz vor dem Haus des Ziegeleimeisters (heutiges Haus Hake) gebracht. Dort ließ man den Ton in dünnen Schichten offen liegen. Durch den Frost wurde er mürbe und ließ sich leichter bearbeiten. War das Material zu „fett”, d.h. enthielt es zu viel Ton, wurde Sand zugefügt. Das verhinderte, dass beim Trocknen und Brennen der Ziegel Risse entstanden. War es zu sandig, wurde Wasser beigemischt. Um den Rohstoff geschmeidig zu machen, wurde er mit bloßen Füßen getreten, eine ungesunde Arbeit, die häufig von Kindern verrichtet wurde. Ab 1800 erleichterten mechanische Mischbühnen, sog. Traden, diese Arbeit. Pferde oder Ochsen zogen eine mit Steinen beschwerte Karre im Kreis um einen Pfahl. Die Räder kneteten den Lehm dabei nach und nach zu einem gleichmäßigen Brei. Der Aufkarrer brachte den Lehm mit der Lehmkarre zum Streichtisch. Dort arbeitete der Ziegelstreicher mit einem Streichrahmen aus Holz oder Metall. Nachdem er diesen gewässert bzw. mit Sand oder Asche bestreut hatte, schlug er den Lehm in die Form. Danach strich er die Oberfläche mit den Händen oder dem Streichholz glatt. So erhielten die Mauerziegel ihre typische Form. Ein geübter Ziegelstreicher stellte in der Stunde bis zu 300 Rohlinge her. Der Abträger legte die frischen Rohlinge auf dem Trockenplatz ab. Auf dieser ebenerdigen, mit Sand bestreuten Fläche trockneten sie 1-3 Tage unter freiem Himmel. Dann wurden sie „aufgekantet”, d.h. auf die schmale Seite gestellt, damit auch die Unterseite trocknete. Waren die Rohlinge formstabil, stapelte man sie „auf Lücke”, um sie vom Wind weitere zwei Wochen trocknen zu lassen. Strohmatten oder offene Holzschuppen schützten die Rohlinge vor Sonne und Regen. Im Feldbrandofen, der ausschließlich aus den Ziegelrohlingen bestand, legte der Ziegelbrenner an der Ofensohle in regelmäßigen Abständen Schürgassen an. Die Rohlinge wurden lagenweise aufgeschichtet und dabei auf Lücke gesetzt. Die Lücken wurden mit Brennmaterial (Holz, Torf) aufgefüllt.
Dann wurde das Feuer in Gang gesetzt, bis die erforderliche Brenntemperatur von 950–1000 °C erreicht wurde.
Danach wurde zum Abkühlen wieder die obere Abdeckung entfernt.
Für einen solchen Brennvorgang wurden nach den Angaben eines Sachverständigen fast 6000 kg Scheitholz sowie fast 1500 kg Reisig verbraucht.
Der Ziegelbrand dauerte – je nach Größe des Ofens – von 8 Tagen bis zu sechs Wochen. Der Brenner musste den Brand rund um die Uhr überwachen.
Der Brand war fertig, wenn der Ofen von unten nach oben durchgebrannt war.
Da solch ein Ziegelofen nur maximal vier Monate im Jahr in Betrieb war, konnten bei einem Brennzyklus von acht Tagen maximal 15 Brände pro Jahr durchgeführt werden. So wurden hier pro Jahr insgesamt höchstens 85 000 Mauerziegel gebrannt.

Informationen von Arndt-Jürgen Stegemann-Auhage, Friedrich Ramke und Hans Schröder wurden von Fredi Rajes zu diesem Bericht verarbeitet