Vorausschau 100 Jahre TSV Asendorf

Sportliches Leben in Asendorf vor dem 2. Weltkrieg

Am 1.6.1907 wurde in Asendorf der Turnverein „Gut Heil“ gegründet. In den ersten noch vorliegenden Statuten wurden Zweck und Ziele des Vereins in 16 Paragraphen festgelegt. Nach den Idealen und dem Vorbild des Turnvaters Jahn aus der frühen Zeit des 19. Jahrhunderts sollten neben der Geselligkeit in erster Linie die körperliche und geistige Ausbildung gefördert werden. Diese Statuten galten bis auf die Änderung des §4 (Beiträge) bis zum Jahre 1930.
Interessant aus heutiger Sicht ist auch die Unmöglichkeit, Mitglieder aus anderen Orten aufzunehmen, wenn dort schon ein Turnverein bestand. Weiter besagte der § 16, dass Politik streng untersagt sei.
Im Januar 1930 wurden dann die Satzungen der Deutschen Turnerschaft (DT) auch für den Asendorfer Verein verbindlich. Unter anderem waren seitdem neben den üblichen Vorstandsmitgliedern nun auch ein Männer- und Frauenturnwart, ein Gerätewart und ein Sportwart zu wählen. Die letzteren sollten einen geregelten Turnbetrieb einrichten, Mannschaften aufstellen und mit ihnen an Wettkämpfen teilnehmen. Ferner war auf Grund der neuen Satzung des DT vorgeschrieben, dass jährlich eine Generalversammlung durchzuführen sei, bei der die heute auch noch üblichen Regelarien (Vorstandswahlen, Kassenbericht, Festlichkeiten usw.) in demokratischer Art und Weise erledigt wurden.

Sportliche Aktivitäten des Vereins:
Infolge einer guten Mitgliederwerbung und einer regen Teilnahme an den Turn- und Sportübungen brachte das Jahr 1930 schon eine ganze Reihe von Erfolgen für die Asendorfer Turner.
Wie im Protokoll der Generalversammlung des TV Asendorf vom 20.1.1931 nachzulesen ist, nahmen die Turnerlinnen des Vereins 1930 in Wietzen, Drübber, Nienburg, Bremen, Bruchhausen und beim Wettkampf um den „Goldenen Kranz“ in Vilsen recht erfolgreich teil.
Man besuchte im gleichen Jahr die „Hoyaer Heimatspiele“ auf dem Heiligenberg, die Tierschau und den vereinsinternen Winterball mit der Aufführung eines Drei Akters „Der kühne Schwimmer“. Also alles in allem ein durch viele Aktivitäten ausgefülltes erfolgreiches Jahr. Höhepunkt 1931 war die Durchführung des 27. „Aller – Weser- Turnfestes“ in Asendorf.

Mitglieder des Turnvereins ergriffen ab 1910 die Initiative, die Kuhle in Rottmannsbusch zu einer Badeanstalt auszubauen. In den folgenden Jahren während der Sommermonate, nutzten immer mehr Kinder und Jugendliche dort die Möglichkeiten, ein Bad zu nehmen bzw. das Schwimmen zu erlernen. Um beim weiteren Ausbau dieser einfachen Badeanstalt entstehende Unkosten auszugleichen, erhob man in den 20er Jahren und auch später ein Eintrittsgeld. 1932 betrug der Preis für eine Jahresbadekarte 1,50 RM (die Monatskarte 0,75 RM). Die Mitglieder des Turnvereins hatten freien Eintritt. Betrachtet man die Preise aus heutiger Sicht, könnte man sie als billig empfinden, das war aber damals nicht der Fall. In jenem Jahr litt gerade die deutsche Bevölkerung schwer unter der Weltwirtschaftskrise.
Die Badezeiten waren 1932 noch für Männer, Frauen und Kinder getrennt. Eine Brause war bereits vorhanden, für 1933 plante man noch die Anlage eines Planschbeckens für die Kleinen. Dennoch kam selbst im Protokoll vom 5.2.1933 zum Ausdruck, dass die Betreibung und Unterhaltung der Badeanstalt für den Verein „eine große Last“ darstellte. Man hätte es schon damals gern gesehen, wenn die Gemeinde die Badeanstalt voll übernommen hätte.
Nach dem großen Verbandsturnfest im Jahre 1931 war bereits ein Jahr später das „25-jährige-Vereinsjubiläum“ zu feiern. Die Gastvereine kamen diesmal aus der näheren Umgebung (Bruchhausen, Vilsen, Scholen, Uenzen, Hoya, Hoyerhagen, Nordholz, Wietzen, Staffhorst und Bücken), um mit dem Jubilar- Verein nach gemeinsamen Wettkämpfen den Tag festlich zu begehen. Bis 1932 verbesserte sich der Besuch der Übungsveranstaltungen (Anfangs in Hoopmanns-, später in Uhlhorns-Saal) stetig durch den Zugewinn neuer Mitglieder. Man schickte außerdem interessierte und veranlagte Turner zu Lehrveranstaltungen, um von dort Übungspraktiken auf den eigenen Turnbetrieb zu übertragen.
Mit dem Jahr 1933 und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten änderte sich auch im Turnverein Asendorf vieles, was man bisher in eigener Regie erledigt hatte. Schon beim Vorstand gab es von nun an kaum noch Wahlen, sondern nur noch Ernennungen. Die Vorstandsführung brauchte von der Generalversammlung nicht mehr bestätigt zu werden. Stark gefördert wurde jetzt besonders das Kinderturnen. Bemerkenswert ist für dieses Jahr noch die Teilnahme von 3 Asendorfer Turnern am Deutschen Turnfest in Stuttgart.
In den folgenden Jahren wurde dann das Eigenleben des Turnvereins – wie damals überall in Deutschland – stark beschnitten und reglementiert. Die nationalsozialistische „Gleichschaltung“ aller Verbände war auch immer mehr in Asendorf zu verspüren. Im Versammlungsprotokoll vom 6.1.1935 steht, dass es für die Turnvereine „viel Neues gegeben hat und manche Unklarheiten bestehen und noch mehr Aufklärung kommen wird“. Es wird weiter berichtet, dass das Interesse am Turnen im Jugend- und Herrenbereich stark nachgelassen habe. Als Grund nannte man den „verschärften Dienst“ (mehrmals in der Woche) in der SA, SS und in der Hitler-Jugend.
Im Jahre 1937 wurde dem Turnverein ein schöner Waldsportplatz im Brüner Bruch von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig wurde neben dem Platz ein Jugendheim gebaut, das für alle Jugendveranstaltungen (HJ Dienst) zur Verfügung stand.
Das letzte große Deutsche Turn- und Sportfest fand 1938 in Breslau statt. Vom Asendorfer TV hatten zwar einige Mitglieder Interesse an der Teilnahme, doch der hohen Reisekosten wegen entschloss man sich, keine Abordnung nach Breslau zu senden.
1939 erfolgte dann eine weitere Neugliederung und Straffung aller Turnvereine, die im Reichsbund für Leibesübungen zusammengefasst waren. Dieser Reichsbund wurde nun zu einer NS-Formation ernannt. Kinder, jugendliche und erwachsene Mitglieder hatten von nun an danach zu trachten, im sportlichen Bereich die verschiedenen Leistungs-, Wehrsport- und Schießabzeichen zu erringen. Mit dem Kriegsausbruch im Jahre 1939 kommt dann der interne Turnbetrieb in Asendorf immer mehr zum Erliegen, da alle jungen Männer zur damaligen Dienstleistung in der Wehrmacht einberufen wurden.

Nach dem 2. Weltkrieg 1947 entschlossen sich die am Sportleben in Asendorf Interessierten, die alten Vorkriegsvereine „TV Gut Heil“ und den 1919 als Fußballverein gegründeten „SV Asendorf“ nicht wieder aufleben zu lassen, sondern sie zu einem Turn- und Sportverein Asendorf zusammenzufassen. Es existierte eine Männer- und Frauenturnabteilung, eine Handball- und Fußballabteilung. Der Turnbetrieb fand in Uhlhorns- und Hoopmanns Saal statt. Für die Kinder und Jugendlichen wurden Gauturnfeste organisiert. Es liegen wenig schriftliche Aufzeichnungen aus dieser Zeit vor. Mit der Einweihung der neuen Turnhalle 1956 erhielt der Sportbetrieb Auftrieb. Erstmals wurden Hallensportarten wie Faust- und Prellball gespielt.

Beitrag von Fredi Rajes
– ein Auszug aus der Festschrift „900 Jahre Asendorf“ –

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.