Das ehemalige Gasthaus Dunker in Brebber

29. Mai 2009

Dunkers Gasthof in Brebber – bis ins Jahr 1961 wurde im Haus mit der Nr. 23 in Schierenhop ein Gasthof betrieben. Aber fangen wir mit der Gründung der Gaststätte an: Es war um das Jahr 1857 als vom damaligen Besitzer Hinrich Dunker der Antrag auf Zulassung einer Schankwirtschaft gestellt wurde. Zu der Zeit existierten in Brebber bereits die Gastwirtschaft Lüder (heute Uhlhorns Gasthof in Brebber) und eine Ausschankstelle im Hause Hägedorn in Brebber. Hier lag sicherlich auch der Grund, warum die Konzession erst im zweiten Anlauf erteilt wurde. Bis zum Jahre 1936 wurde der Gasthof von den einzelnen Dunker-Generationen als reine Dorfkneipe betrieben.
Bis kurz nach dem 1. Weltkrieg war zusätzlich zum Wirtshaus auch ein „Hökerladen“ im Haus. In diesem dörflichen Hökerladen gab es alles vom Stacheldraht, über Krampen, Nägel, Kochtopf, Holzschuhe, Nahrungsmittel bis zum Zwirn. Alles konnte hier gekauft werden bzw. wurde besorgt und teilweise über Inzahlungnahme von Eiern und Butter bezahlt. Auch diente der Hökerladen ebenso wie das Wirtshaus der dörflichen Kommunikation.

Für ein paar Jahre hat ein Gastwirt Namens Heinrich Brandt diese Wirtschaft als Pächter betrieben. Erst mit der Heirat von Friedrich Dunker und seiner Ehefrau Frieda im Jahre 1940 wurde die Gastwirtschaft wieder von der Familie Dunker betrieben. Obwohl Friedrich Dunker 1943 bereits im Krieg gefallen ist, hat seine Ehefrau die Gaststätte noch bis zu ihrer Krankheit im Jahre 1961 weiter betrieben. Der heute noch vorhandene kleine Anbau zur Straße hin beherbergte die Gastwirtschaft.

Aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg stammen die folgenden Informationen: Unter der Leitung des Lehrers Heinrich Künne, der als Zweitlehrer in Brebber unterrichtete, fanden sich nach Ende des 2. Weltkrieges sangesfreudige Männer zum Gesangverein zusammen. Das Lehrerehepaar Finke machte es zu seinen besonderen Aufgaben, die Dorfjugend stärker in die Gemeinschaft einzubinden. Bei beiden Bemühungen spielt die Gastwirtschaft Dunker eine wesentliche Rolle. Vom Lehrerehepaar Finke ist der Gedanke überliefert: „.. eine gute Gemeinschaft kann nur Bestand haben, wenn Alt und Jung sich gegenseitig ergänzen“. In diesem Sinne wurde unter Finkes Obhut bereits im Jahre 1950/1951 von einer Laienspielgruppe ein Einakter einstudiert und im Winter 1950/51 auf der Diele von Dunkers Gasthaus aufgeführt.

Eine Bühne war gebastelt worden, der Kuhstall mit Laken verhängt und Bänke für die Zuschauer aufgestellt. Fertig war der Vorführsaal. Im Folgejahr kam dort sogar noch ein Dreiakter zur Aufführung. Bedingt durch den Fortzug der Finkes stellte die Spielschar Brebber das Laienspiel nach rund 10 Jahren ein.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die Dorfkapelle Brebber, die bei Veranstaltungen im Dorfe für musikalische Untermalung sorgte. Nach der Musik dieser Kapelle wurde oftmals getanzt Anneliese Michaelis, Lutz Meyer, Dorothee Meyer und Heinrich Linge sind auf dem Bild zu sehen.

Auch der Schützenverein Brebber hatte lange Jahre Verbindung zur Gaststätte Dunker. Nachdem auf Antrag des Schützenvereins Brebber von der britischen Militärregierung die Wiederzulassung des Vereins in Aussicht gestellt wurde, konnte der entsprechende Antrag an den Landkreis Grafschaft Hoya gerichtet werden. Im Mai 1950 wurde der Verein wieder offiziell gegründet. Im Antrag zur Wiedergründung heißt es: „Der Schützenverein will die Dorfgemeinschaft pflegen, Volksfeste (Schützenfeste) feiern und Kinderbelustigungen durchführen. Der Schießsport soll mit erlaubten Waffen durchgeführt werden, Politik jeder Art ist ausgeschlossen“. Bereits im Jahre 1950 wurde wieder ein Schützenkönig auf dem Schießstand ausgeschossen.

Der Schießstand, der zur damaligen Zeit aus einer Schießscharte, dem Kugelfang und der Deckungsmauer für die Schussanzeiger bestand, war aus heutiger Sicht recht primitiv hergestellt, – gab den Schussanzeigern aber auch die Möglichkeit das Schießergebnis in ihrem Sinne zu beeinflussen. Aus Sicherheitsgründen waren die hinter dem Kugelfang liegenden Wege und das Waldgrundstück zum Ehrenbruch gesperrt.


Erst im Jahre 1957 wurde der neue Schießstand bei Dunkers rechtzeitig zum Schützenfest fertiggestellt. Zum größten Teil in Eigenleistung der Vereinsmitglieder war ein Neubau mit vier Schießbahnen soweit hergerichtet, dass der König ausgeschossen werden konnte. Das Schützenfest wurde dann auf einem Zelt gefeiert, welches auf Dunkers Hof aufgestellt war. Dieser Schießstand hat heute eine andere Nutzung erfahren.

Aber auch bereits vor der Neugründung des Vereines – nach den Sorgen und Nöten der Kriegs- und Nachkriegszeit – regte sich der Wunsch nach all den Entbehrungen und schrecklichen Erlebnissen nun auch mal miteinander fröhlich zu sein. Da jegliche Vereinstätigkeit noch untersagt war, veranstaltete die Dorfgemeinschaft Brebber ab 1947 unter der Beteiligung aller Einwohner – Einheimische, Flüchtlinge, Bauern, Pächter, alt und jung kurz gesagt alle – einen Sommernachtsball bei Dunkers. Bier und Schluck gab es kaum – lediglich Dünnbier. Was blieb also anderes übrig, als selbst für „geistige Getränke“ zu sorgen. Bierbrauen ging nicht, weil kein Hopfen zur Verfügung stand und man auch die Technik nicht beherrschte – aber Schluck brennen, die Rezeptur war bekannt. So ergab es sich dann, dass auf solch einer Feierlichkeit die unterschiedlichsten Getränke verkonsumiert wurden.
Es war zwar von der Militärregierung verboten – aber in vielen Ställen, Scheunen und Kellern waren nach und nach die „Kleinstschnapsfabriken“ entstanden. Zum Feste ging es dann mit ausgebeulten Hosen- und Jackentaschen, weil sich darin die Flaschen mit dem selbstgebrannten Rüben- und Zwetschgenschnaps befanden. Ganz erfinderische Mitbürger hatten auch schon einen Eierlikör dabei. Die Feste gingen in der Regel bis zur Polizeistunde – aber eine Überschreitung hatte keine Auswirkungen, wenn der Bürgermeister auf der Feier anwesend war, weil er mit seinem Stempel gleich die Verlängerung „absegnen“ konnte. Wer was auf sich hielt, ließ sich „vom Saal blasen“.

Im Jahre 1985 ist das Haus Schierenhop Nr. 23 durch Kauf auf Wolfgang und Elgin Mattstedt übergegangen. Der Vorbau der ehemaligen Gastwirtschaft ist heute noch vorhanden. Im Rahmen der Sanierung des Wohnhauses wurde auch die Inschrift des Giebelbalkens freigelegt und wieder hervorgehoben, die da lautet:
„Mit Gott will ich mein Werk beginnen! Ist Gott mit mir, gelingt es auch. Mein Dichten, Trachten, Thun und Sinnen, sei ihm geweiht. Ein jeder Hauch, ein jedes Wort in meinem Munde verkläre den hier in der Zeit, mit dem im heiligen Liebesbunde ich leben will in Ewigkeit! Gott allein die Ehre! Errichtet 9. Junius 1869“
Eine Inschrift, die evtl. vor dem Hintergrund der im Jahre 1968 aufblühenden weltlichen Literatur zu sehen ist. Auf jeden Fall versetzt die Inschrift den Betrachter in Erstauen. In Erstaunen darüber, dass dieser lange Spruch auf dem Balken oberhalb der Toreinfahrt untergebracht werden konnte.
Ansonsten hat sich das Anwesen durch die neue Nutzung sehr verändert.

Ein Bericht von Fredi Rajes mit Informationen von
Dieter Thies, Fritz Dunker. Begebenheiten aus dem Schützenwesen wurden mit freundlicher Genehmigung teilweise der Festschrift „Chronik Schützenverein Brebber 1899 bis 1999“ entnommen. Die Bilder aus der heutigen Zeit wurden von mir mit freundlicher Genehmigung der Eheleute Mattstedt aufgenommen.

Gasthaus Ramke in Steinborn

8. März 2009

Erläuterungen zum Bild 1
Fritz Ramkes Gasthaus (ca. Mitte 20 er Jahre)
In der Tür stehend:
Sophie Ramke, geb. Mahlstädt
Im Stuhl sitzend:
Marie Sophie Rust, verw. Mahlstädt, geb. Focke
Daneben: Fritz Ramke
Im hellen Anzug daneben: Heinrich Ramke
Ramkes Bernhardiner mit Handwagen und Milchkannen
Darauf sitzend:
Dora Beneke, später verheiratet mit Willy Hittmeyer, Schuster
Damals in Stellung bei Ramkes
Weiterhin: einige Musikanten
Die Leute auf der Kutsche sind nicht bekannt.

Gasthaus Ramke, Steinborn
An dieser Stelle berichteten wir bereits mehrfach über Gastwirtschaften, die aus dem heutigen Ortsbild verschwunden sind. Heute wenden wir unseren Blick nach Steinborn zur ehemaligen Gastwirtschaft Ramke in Steinborn Nr. 40 – heute Hoyaer Str. 1. Die Gaststätte Ramke wurde 1895 von Fritz Ramke eröffnet. Er war der älteste von vier Kindern der Familie Ramke und wurde im Jahre 1861 in Windhorst Nr. 15 (heute Brackmann) geboren. Der Besitz in Windhorst wurde 1870 verkauft und die Hofstelle in Renzelfelde –heute Stegemann-Auhage- gepachtet. Die jüngste Schwester von Fritz Ramke wurde im Jahre 1874 in Renzelfelde geboren.
Im Jahre 1892 heiratete Fritz Ramke die Frau Sophie Mahlstädt. Sie war die älteste Tochter und Hoferbin im Haus Mahlstädt in Steinborn Nr. 40. Zwei Kinder gingen aus der Ehe hervor: Sohn Heinrich (geboren 1893 und gestorben 1964) und Tochter Marie (genannt Mimi geboren 1897 und gestorben 1971). Diese Tochter Mimi heiratete den Gastwirt Heinrich Uhlhorn aus Asendorf. Ihr Enkel Gerd Uhlhorn ist der jetzige Inhaber des Gasthauses Uhlhorn in Asendorf. Hoferbe Heinrich Ramke verehelichte sich 1926 mit Sophie Meyer aus Calle Nr. 16 (Haarden – oder Horn-Meyer) heute Friedrich-Wilhelm und Käthe Meyer. Drei Kinder wurden geboren, die Söhne Friedrich (geboren 1927) und Heinrich (geboren 1929; heiratete Lisa Borchers in Bünte), Tochter Annegret(geboren 1946; heiratete Werner Menke aus Kuhlenkamp, heute Mellinghausen).
Im heute noch vorhandenen Antrag an den „Kreisausschuss des Kreises Hoya zu Händen des Herrn Geheimen Regierungsrates Meyer Hochwohlgeb. Hoya“ ist als „Gehorsamstes Gesuch des Halbköthners Fritz Ramke in Steinborn – Betr. Konzession zur Gast- und Ausspannwirtschaft“ folgendes geschrieben:
„Auf den zu meiner Halbköthnerstelle Nr. 40 in Steinborn mitgehörigen Ländereien befand sich vor längeren Jahren für die Ortschaft Steinborn eine Gastwirtschaft mit Ausspann, welche von Fritz Hüneke daselbst geführt und infolge Abbrennens der Gebäude aufgegeben wurde. Mein Besitztum Nr. 40 in Steinborn bestehend aus einem geräumigen, neuen massiven Wohnhaus, etwa 70 Fuß lang, 40 Fuß breit, mit den nötigen zur Wirtschaft geeigneten Räumlichkeiten und einer großen, 40 Fuß langen neuen Scheune sowie einem neunen 34 Fuß langem Stallgebäude und einem neuen Backhause. Die Gebäude würden dem Verkehrsbedürfnis und den polizeilichen Vorschriften für den Betrieb einer Gast- und Ausspannwirtschaft in jeder Hinsicht entsprechen. Mein Gehöft und Gebäude liegt unmittelbar an günstiger Lage an der Hoya – Sulinger Landstraße. Nach dem erwähnten Brande und Eingange der dort früher vorhanden gewesenen Gastwirtschaft ist meine oben erwähnte Stelle infolge Todesfalles stets unter Vormundschaft und Interimswirtschaft gewesen und daher ist jene Gastwirtschaft eingegangen.
Unmittelbar vor meinem Hause führt auch der öffentliche Weg von der Hoya – Sulinger Chaussee ab nach Brüne, Affendorf, Altenfelde, Bruchmühlen, Heiligenberg und Vilsen sowie auch verschiedene Kirchen- und sonstige Fußwege und auch die Nähe der Stegemannschen Ziegelei, sodass mein erwähntes Besitztum an einem öffentlichen Hauptverkehrspunkt gelegen ist. Auch hat die Ortschaft Steinborn mit Renzelfelde ca. 120 Seelenzahl. Unter diesen Umständen beabsichtige ich auf meiner Besitzung wieder eine Gast- und Ausspannwirtschaft zu errichten und bitte den verehrten Kreisausschuss gehorsamst die Konzession zum Betriebe solcher Gast- und Ausspannwirtschaft auf meiner Halbköthnerstelle Nr. 40 in Steinborn geneiget mir erteilen zu wollen. Über meine persönlichen Verhältnisse erlaube ich mir anliegendes Sittenzeugnis beizufügen. Auch beziehe ich mich auf das unterm 22. Februar dem königlichen Landratsamte eingereichte Zirkular, wonach fast sämtliche Gemeindemitglieder die Errichtung meiner Gastwirtschaft in Steinborn wünschen.“
Nach diesem ausführlichen Antrag wurde am 14.3. 1895 dem im Jahre 1861 geborenen Fritz Ramke die Konzession zur Führung einer Gastwirtschaft vom Kreis-Ausschuss des Kreises Hoya erteilt. Bald danach dürfte auch die Eröffnung der Gaststätte erfolgt sein. Die im Antrag erwähnte Gastwirtschaft Hüneke war die frühere Hostelle Nr. 34 in Steinborn. Sie lag schräg gegenüber dem heutigen Anwesen von Friedhelm und Gerda Hemker in Steinborn.
Neben dem Ausschank gab es die Möglichkeit des Ausspannens. Dieses Angebot nutzten die Fuhrleute der Umgebung. In Asendorf gab es die Sägerei, die ihre Holzlieferungen teilweise aus Hoya über die Weser antransportierte sowie die Ziegelei der Fam. Stegemann, bei der die fertigen Produkte zu der Zeit ebenfalls per Pferdefuhrwerk abtransportiert wurden. Der Ausspann wurde sicherlich weniger, als der LKW mehr und mehr als Transportmittel genutzt wurde.
Anfang der zwanziger Jahre wurde von der Familie Ramke das Haus durch Anbau des Hinterhauses verlängert und damit die Gasträume erweitert. „Fritz Ramkes Gasthof“ stand auf einer Tafel über der Eingangstür. Die äußere Ansicht des Gebäude ist heute noch größtenteils unverändert. Offizielle Öffnungszeiten gab es in dieser Gastwirtschaft nicht. Im Sommer stand man um 5.00 Uhr in der Früh auf, dann wurde die Türe aufgeschlossen. Wenn man Abends zu Bett ging, dreht man den Schlüssel wieder um. Auch Übernachtungen wurden angeboten und von Arbeitern genutzt, die hier in der näheren Umgebung verpflichtet waren. Oft waren die Männer des Kabelmesstrupps aus Bremen als Gäste hier. Sie brachten die reparaturanfälligen Telefonkabel – Leitungen in Ordnung. Der große LKW, den sie dabei hatten, passte gerade durch die große Haustür, denn bei eisigen Temperaturen im Winter wurde der LKW auf die Diele gefahren. Weiterhin kehrten Vertreter einer Sämereien – Firma, die den näheren Umkreis bereisten, ebenso wie die Sensenschmiede aus Westfalen, die hier Aufträge annahmen, in der Gastwirtschaft ein. Außerdem ist noch der Kiepenkerl in Erinnerung, der mit Bürsten, Teppichklopfern, Koksmatten usw. handelte. Die Zimmer im 1. Stock waren einfach ausgestattet. Auf dem Flur gab es ein Waschbecken mit kaltem Wasser, Toiletten waren an der Diele. Die Räume waren ohne Heizungsmöglichkeit, eine Wärmflasche sorgte im Winter für ein warmes Bett. Schon vor dem 2. Weltkrieg gab es die Viehabnahme auf dem Hof Ramke. Die Viehaufkäufer Willy Reincke und Erdwig Plate handelten mit Schweinen und Großvieh. Die Kunden brachten das Vieh, das bei Ramkes über die Waage geführt wurde und dann per LKW abtransportiert wurde. Aber es gab nicht nur die „normale Schankwirtschaft“. Ein paar Mal im Jahr gab es große Festlichkeiten. Das fing im Januar / Februar mit dem Schützenball an. Dieser fand wegen der winterlichen Temperaturen auf der Diele statt. Die große Haustür wurde mit Stroh und alten Laken winddicht gemacht und alle Luftlöcher verschlossen. Das Vieh an der Diele war die Heizung – natürlich wurde auch von innen eingeheizt – aber eine weitere Wärmequelle gab es nicht. Dieser winterliche Ball wurde vom Schützenverein Essen-Steinborn veranstaltet. Er fand im Wechsel mit der Lichtenberger Gastwirtschaft Strümpler –heute Holste- statt. Das nächste Fest war der Osterball, der am 2. Ostertag von der Familie Ramke veranstaltet wurde. Dieser fand in der Scheune statt, die nach dem Winter zu dieser Zeit frei war. Das letzte Stroh war gedroschen und auf dem Hausboden und das Getreide auf dem Kornboden verstaut. Die Maschinen einschließlich der großen Dreschmaschine mussten ausgeräumt werden, danach erfolgte das „spinn fegen“. Der etwas unebene Boden der Scheune wurde mit Saalplatten ausgelegt, Tische und Bänke stellte der Bierverlag leihweise zur Verfügung, alles wurde festlich geschmückt und dann konnte die Kapelle Nordhausen loslegen. Die älteren Leser werden die Musikkapelle aus Riethausen noch kennen. Das besondere daran war, dass die Kapelle aus Mitgliedern verschiedener Generationen der Familie Nordhausen bestand. Mit jeweils wechselnder Besetzung spielte diese Kapelle auf verschiedenen Festlichkeiten im Umkreis. Ein Glas Bier kostete zu der Zeit 10 Pfennig, für 1 Mark erhielt man 11 Glas Bier. Kommt daher die Redewendung von der „guten alten Zeit“ wenn man an diese Preise denkt?
Jeweils Anfang Mai war Schützenfestzeit. Im Wechsel mit der Familie Strümpler wurde es von den Einwohnern gefeiert. Die Scheune wurde von den jungen Leuten im Dorfe geschmückt. Dieses waren nicht nur die Einheimischen sondern auch viele Knechte und Mägde, die hier auf den Höfen dienten. Wieder kamen die „Nordhäuser“ zum Einsatz und spielten bis zum Morgengrauen. Für einige tanzlustige lohnte sich das Schlafengehen nicht mehr. Man zog sich um und ging gleich zum Melken, denn die Milchkannen wurden pünktlich früh morgens abgeholt.
Die Gastwirtschaft wurde bis zum Sommer 1956 geführt. Nach der Aufgabe der Gastwirtschaft wurden die Schankräume zu zwei Wohnstuben umgebaut. Im Herbst 1956 heiratete der Hoferbe Friedrich seine Frau Aenni Beneke aus Kuhlenkamp. Neben dem Gasthof wurde immer eine Landwirtschaft betrieben. Darauf konzentrierte man sich nach der Schließung der Gastwirtschaft. Diese Landwirtschaft ist auch heute noch das Standbein und damit der Haupterwerb von Fietze Ramke jun.

Erläuterungen zur Interimswirtschaft:
(Setzwirtschaft), die Bewirtschaftung eines Bauerngutes während der Minderjährigkeit des Anerben durch einen hierzu bestellten Dritten (Interimswirt) auf dessen eigne Rechnung und auf eine bestimmte Zeit (Mahljahre), welche regelmäßig mit der Volljährigkeit des Anerben endigt. Ist diese Zeit abgelaufen, so hat der Interimswirt, gewöhnlich zugleich Vormund des Minderjährigen, wenn er auch kein Vermögen in das Gut einbrachte, Ansprüche auf Entschädigung für die auf die Wirtschaft verwandte Zeit und Mühe (Zusicherung einer Leibzucht, einer Abfindung für seine Kinder und selbst eines bedingten Erbrechts an dem Gut), wie er während der Mahljahre auch verpflichtet ist, das Gut in Bau und Besserung zu erhalten, die Lasten desselben zu tragen und Ersatz für den von ihm etwa verschuldeten Schaden zu leisten.

Erläuterungen zum Zirkular:
Es ist ein Laufzettel gemeint, der immer zum jeweils nächsten Nachbarn getragen wurde. Dadurch wurde in kurzer Zeit der Inhalt eines Rundschreibens allen Haushalten bekannt gemacht.


Zusammengetragen und aufgeschrieben von Ingrid Ramke – in diese Fassung gebracht von Fredi Rajes